Steigt Bitcoin-Kurs auf 30.000 Euro?

Kommentar – Wer in die virtuelle Währung Bitcoin investiert hat, entweder aus reiner hochriskanter Spekulation, oder um über Bitcoin-Anteile andere Glücks-Coins zu kaufen, brauchte in den vergangenen fünf Monaten Nerven wie Drahtseile. Grund: Der Kurs dümpelt seit Jahresanfang unter 10.000 Euro herum und hat Ausschläge die leicht bis zu 30 Prozent innerhalb weniger Tage umfassen. Der niedrigste Stand bewegte sich 2018 bei um die 5000 Euro pro Bitcoin. Noch vor Jahreswende notierte der Bitcoin bei 20.000 Euro. 

Die massiven Ausschläge des Bitcoin-Wertes zeigen aber auch: Jene wenigen Anleger, welche mehr als 95 Prozent der Bitcoins in ihren Händen halten, manipulieren zu ihren Gunsten den Kurs. Mal rauf, dann wieder runter. Das Nachsehen haben die Kleinanleger, die hoffen, mit Hilfe des Bitcoins wenigstens einmal im Leben ihren Reibach machen zu können.

Den Kurs des Bitcoins oder anderer virtueller Glückscoins beeinflussen aber auch immer wieder Meldungen, wonach dieser oder jener Coin angeblich noch vor Jahresende um Hunderte Prozent an Wert steigen könne.

So eine Meldung macht jetzt mal wieder die Runde. [1] Nachdem vor wenigen  Tagen im Mai 2018 der Bitcoin-Kurs erst wieder massiv eingebrochen war, nachdem weltweit Schlagzeilen die Runde machten, die größte Bitcoin-Börse Südkoreas sei von Staatsanwälten, Steuerfahndern und üblichen Kripobeamten mit einer Razzia heimgesucht worden, sackte der Bitcoin-Kurs dramatisch ab und drohte sogar unter die 6000 Euro Grenze zu fallen.

Kurz darauf wurde nun eine Studie veröffentlicht, welche den Bitcoin bis Ende 2019 angeblich bei um die 30.000 Euro sieht, also rund 36.000 US-Dollar. Die angebliche „Studie“ wurde von einem eigentlich total uninteressanten „Thomas Lee„, dem „Managing Partner und Research Head“ bei einem ebenfalls eigentlich total unbekannten und uninteressante „Fundstrat Global Advisors“ in Umlauf gebracht und weltweit von Medien, wozu auch Blogs gehören, recht unkritisch übernommen.

Orakeln rund um den Bitcoin-Kurs in zwei Jahren

Bei Fundstrat handelt es such um ein erst 2014 gegründetes privates asiatisch-amerikanisches selbst ernanntes „Forschungs-Unternehmen“ („Fundstrat. Market Strategy & Sector Research“).

Fundstrat umschreibt seine Tätigkeit wie folgt (Übersetzung mit Hilfe von Google Translator):

„Fundstrat Global Advisors ist eine unabhängige Research-Boutique, die eine breite Palette von Kunden bedient, darunter institutionelle Anleger, Vermögensberater, Pensionsfonds und vermögende Privatpersonen. Als wir 2014 gegründet wurden, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, die beste fundamentale, technische und quantitative Forschung mit höchster Priorität auf die Bedürfnisse und Interessen unserer Kunden auszurichten.

Unser Ansatz ist datenintensiv und versucht, Anomalien auszunutzen, um Sektoren und Aktien zu identifizieren, die unseres Erachtens den Markt übertreffen sollten. Unsere Tools sind auf diesen Fokus ausgerichtet und helfen unseren Kunden, fundiertere Entscheidungen zu treffen.

Wir konzentrieren uns darauf, Analysen zu liefern und nicht auf Meinungen zu basieren. Als unabhängiger Forschungsdienstleister können unsere Kunden sicher sein, dass unsere Arbeit darauf ausgerichtet ist, frische und innovative Informationen bereitzustellen, die sie bei ihren Anlageprozessen unterstützen.“ [2]

Allerdings: Es ist sicherlich kein Zufall dass diese Forschungs-Einrichtung, welche auch personell deutlich asiatisch geprägt ist, nun solch phänomenal gute Wachstumschancen für die Kryptowährung Bitcoin sieht.

Millionen zocken rund um Bitcoin & andere Glückscoins

Grund: Millionen Asiaten zocken seit gut zehn Jahren mit virtuellen Währungen und dubioser Glückscoins. Sie werden beispielsweise auf solch umstrittenen wie dubiosen Zockerportalen wie yobit.io angebotenen.

„Coins, die auf yobit die vergangenen Monate angeboten wurden, haben teils irrwitzige Kurs-Rallyes hingelegt, was den Verdacht nahelegt, dass die Börse sich aktiv an der Kursmanipulation dubioser Coins, die von der Börse möglicherweise sogar selber aufgelegt wurden, beteiligt hat“, sagt ein deutscher Anleger, der yobit seit Monaten aktiv testet.

Kennt zwar weltweit kaum jemand, generiert sich aber derzeit als großes Bitcoin-Orakel: Der asiatisch-amerikanische angebliche „Forscher“ Thomas Lee aus New York hier in einem YouTube-Video vom 11. Mai 2018 (auf YouTube hochgeladen von „Ivan on Tech“).

Als Argument, warum Fundstrat nun von einem möglichen Kurs von 30.000 Euro pro Bitcoin ausgeht, führen die selbsternannten Forschungs-Leute aus Amerika und Asien an: Angeblich würden die Stromkosten für das Computer-Mining von Bitcoins in den nächsten Jahren dramatisch zurückgehen.

Wie Fundstrat zu dieser waghalsigen These kommt, ist nicht klar. Denn sinkende Energiekosten gibt es derzeit weltweit kaum. Im Gegenteil: Strom fürs Mining ist in Ländern wie Deutschland Dank der Energiewende immer teurer und für übliche Privatleute eher unbezahlbar geworden.

Zudem werden nach Schätzungen rund 75% der Bitcoins direkt in China produziert. Und auch von dort gibt es derzeit wenig Anzeichen, dass Miniding von Kryptowährungen oder Glückscoins billiger wird. Im Gegenteil: Es gibt politische Tendenzen, die Miner sogar aus dem Land zu vertreiben.

Der aktuelle Bicoin-Kurs (Stand: 13. Mai 2018, 15:20 Uhr) liegt bei um die 7200 Euro laut der seriösen deutschen bitcoin.de-Börse, auf welcher Kunden auch Bitcoins oder Bitcoin-Anteile erwerben können.

Fragen zur Studie, die sich steuerratschlag.eu stellt

Eigentlich kennt weltweit kaum ein Mensch ein „Institut“ Fundsrat. Auch wir nicht. Wie kamen wir dann auf diese jetzige neue angebliche „Bitcoin-Studie“? Ganz einfach: über eine Meldung in Google News Deutschland. Und wie kam sie dahin?

Da weltweit eben die meisten Menschen Englisch können und Hunderttausende Menschen, die weltweit Nachrichten-Seiten betreiben oder Blogs, gerne in die USA schauen, was sich da so tut in der Tech-Szene oder sonstwo. Und dann beginnt das große Abschreiben, Umschreiben, Zuschreiben.

Ob eine Person oder eine Meldung wirklich Relevanz hat oder nicht, ob sie wahr ist, glaubhaft oder purer Unsinn, interessiert kaum jemanden. Hauptsache die vermeintlich so wichtige Meldung oder Person kommt aus den USA, dem Land, wo scheinbar immer Brot und Honig fließen.

So schaffen es dann komplett unbekannte Leute, welche irgendein angeblich so wichtiges „Institut“ haben oder sonst etwas angeblich so wichtiges, plötzlich sogar in die Headlines von weltweiten Blogs und Nachrichtenseiten. Wie jetzt wieder dieser ominöse angebliche „Bitcoin-Forscher“ Thomas Lee.

Warum wir bei dem Blödsinn mitmachen? Schwierige Frage. Vielleicht aus dem selben Grund, wie es Hunderttausende andere Blogs und Nachrichtenseiten weltweit tun: Aus Sorge, unseren Lesern wichtige Informationen nicht zu übermitteln.

Dennoch bitten wir auch euch, liebe Leser: Betrachtet das alles auch mit etwas Humor und Abstand. Und keine Sorge: Über Herrn Thomas Lee werdet ihr künftig bei uns wahrscheinlich kaum oder niemals mehr etwas lesen. 

Einzelnachweise

[1] „Bitcoin wird bis 2019 $36.000 Dollar erreichen„, In: sharewise.com vom 12. Mai 2018. Abgerufen am 13. Mai 2018.

[2] Fundsrat. Über das Unternehmen.

[3] Bitcoin-Kurs vom 13. Mai 2018 auf bitcoin.de.

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