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Montag, 10. Dezember 2018

Gail Cantor Real Estate im Interview zu Immobilien in Kanada

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Gail Cantor, die Gründerin von Gail Cantor real estate, beziehungsweise auf französisch Immeuble Groupe Cantor, kommt aus einer bekannten Familie aus der kanadischen Metropole Montreal. Ihr Vater baute seit 1956 eine erfolgreiche Bäckereikette mit dem Namen „Cantor’s Bakery“ auf, welche bis heute eine eigene Backwaren-Produktion in Montreal hat, die wiederum andere Bäckereien versorgt. (cantors.ca). Jetzt ist sie zum ersten Mal in der deutschen Hauptstadt Berlin und traf das Nachrichtenportal steuerratschlag.eu zum Gespräch und erzählte uns, wie sie ins Immobiliengeschäft kam und worauf Immobilienkäufer aus Europa, ebenso Kanada-Einwanderer, achten sollten.

Gail Cantor arbeitete früher für einige Jahre im Unternehmen ihres Vaters. (1) Doch 2001 machte Gail dann ihre andere Passion, Immobilien verkaufen oder Immobilien sanieren und dann verkaufen, zu ihrem Beruf. Sie wurde selbständige Immobilienmaklerin, beziehungsweise Immobilienhändlerin, auf Englisch Real Estate Agent. In diesem neuen Berufsfeld konnte sie sich schnell einen guten Namen als Immobilienfachfrau aufbauen.

Obwohl sie im Immobiliengeschäft sehr erfolgreich ist, macht sie heute beides: Immobilien oder kleinere Geschäfte als Immobilienmaklerin in Montreal und Umgebung verkaufen. Zusätzlich leitet die vielfältige Business-Frau seit zweieinhalb Jahren als CEO die Bäckerei-Produktion „Cantor’s Bakery“, die auch andere Bäckereien mit Backwaren beliefert.

Cantor, die als Certified Real Estate Broker eigene Makler beschäftigt, ist von der offiziellen staatlichen kanadischen OACIQ-Maklerbehörde zertifiziert.

Zudem hat sie, was in Kanada gesetzlich vorgeschrieben ist, eine Makler-Versicherung für den Fall, dass es mal zu Streitigkeiten mit Immobilienkäufern oder Verkäufern kommt. Doch das sei bei dem Spross einer der bekanntesten Montrealer Familien, so oder so nie vorgekommen, sagt sie lachend.

Gail Cantor hier beim Besuch des Berliner Hot-Spot-Restaurants „Augustiner“ am von Touristen viel frequentierten Gendarmenmarkt Nähe U-2-Bahnstation „Französische Straße“. Sie genießt deftige deutsche Hausmannskost und Bier. (Foto: privat)

steuerratschlag.eu wollte von Cantor wissen: Worauf müssen Europäer achten, die in Kanada eine Immobilie kaufen möchten?

Gail Cantor: Wichtig ist, dass ein Käufer von Immobilien in Kanada, beziehungsweise ein Investor, belegen kann, dass er genug finanzielle Ressourcen hat. Viele Europäer, die beispielsweise ihre Kinder nach Montreal fürs Studium schicken, kaufen dort gleich ein kleines Appartement, ein sogenanntes Condominium, kurz Condo.

Die bezahlen dann natürlich normalerweise bar, beziehungsweise per Überweisung. Der klassische Preis für solch kleine Appartements, die ich auch immer mal wieder vermittle, liegt bei rund 80.000 Euro.

Doch auch solche Immobilienkäufe wollen genau geprüft werden. Ein klassischer Fehler von ausländischen Immobilienkäufern in Kanada ist beispielsweise:

Wenn die Kinder, für die man eine kleine Wohnung in einer Stadt wie Montreal gekauft hat, das Studium abgeschlossen haben und die Eltern das Appartement wieder verkaufen wollen, vergessen sie, dass in Kanada 50% des Gewinns auf Immobilienverkäufe zu versteuern sind. Die Steuer ist rund 45% auf den Profit. Das gilt für alle Immobilienkäufe und zwar nur für Ausländer, nicht für Kanadier selber. Diese Steuer wird „Foreign ownership property tax“ genannt.

steuerratschlag.eu: Wie viel müssen denn Kanadier selber auf eigene Immobilienverkäufe bezahlen?

Gail Cantor: Wenn man selber drin wohnt, fällt auf den Immobiliengewinn keine Steuer. Wenn man die Immobilie aber als Vermietungsobjekt hält, muss man 25% Steuern bei einer Gewinnerzielung beim Weiterverkauft bezahlen.

steuerratschlag.eu: Was ist denn, wenn ein Europäer seine Immobilie verkauft und denkt, ich gehe zurück nach Europa, das kriegt der Staat Kanada doch eh nicht mit.

Gail Cantor: Das muss in Kanada, wie in Deutschland, über einen Rechtsanwalt gehen. Da gibt es Grundbucheinträge. Man kann dem nicht entkommen.

steuerratschlag.eu: Du verkaufst viele einfachere Immobilien, aber auch Luxusimmobilien oder kleinere Geschäfte, wie Einzelhandelsläden, die beispielsweise Auswanderer aus Europa erstehen können. Wie merkt ein Ausländer, der eine Immobilie oder ein Geschäft in Montreal oder sonstigen Gebieten in Kanada erwerben möchte, ob das Objekt des Wunsches wirklich den Preis wert ist? Was sind die Fallstricke?

Gail Cantor: So etwas kann man nur kaufen, wenn man mit einem Immobilienmakler zusammenarbeitet, der schon einige Jahre vor Ort im Markt ist und sich einen guten Namen erarbeitet hat – sowohl beim Verkäufer als beim Immobilienkäufer.

steuerratschlag.eu: Wie hoch ist die Maklerprovision in Kanada für Immobilienkäufer oder beim Kauf von kleineren Geschäften?

Gail Cantor: Die Rechtslage ist in Kanada so, dass es unterschiedliche Provisionsmodelle gibt. Geht ein Europäer zu einem Real Estate Agenten und macht mit diesem einen Vertrag, kann da drinstehen, dass, wenn der Agent eine Immobilie findet, er an den Makler bis zu 5% Provision bezahlen muss.

Verkauft aber beispielsweise der Makler eine Immobilie, findet aber keinen Käufer und der Käufer wird schließlich an den Makler über einen anderen Makler vermittelt, sieht es anders aus: Dann teilen sich die beiden Makler meist die Provision. Das heißt, dann könnte also jeder der beteiligten Immobilienmakler 2,5% der Verkaufssumme als Provision erhalten.

Maklerin und Geschäftsfrau Gail Cantor aus Kanada vor dem berühmten amerikanischen Checkpoint Charly im ehemaligen amerikanisch besetzten Teil der Stadt Berlin, den sie im September 2017 besuchte. Was viele Touristen nicht wissen: Niemand muss hier für ein Foto bezahlen. Die posierenden „Soldaten“ sind privat und versuchen illegal von den Touristen eine Gebühr einzutreiben. (Bild: privat)

Als Faustregel kann man zu Immobilienprovisionen, welche von Maklern in Kanada erhoben werden, sagen: Das sind in der Regel bis zu 5% in städtischen Gebieten und bis zu 7% in ländlichen Wohngebieten.

Möchte aber jemand Land kaufen oder kommerzielle Gebäude, eine Geschäft, beispielsweise ein Kaffeegeschäft oder einen kleinen Einzelhandelsladen, sind Provisionen von bis zu 10% üblich. Das müssen Auswanderer nach Kanada, die Leute wie mich beauftragen, wissen.

steuerratschlag.eu: Was macht also ein Europäer der in Kanada eine Immobilie kaufen möchte als erstes?

Gail Cantor: Ich würde empfehlen, sich erst einmal im Internet einzulesen, dass man einen groben Überblick hat. In Kanada gibt es ein unglaublich großes Spektrum an Immobilien oder Geschäften, die man kaufen kann. Das kann ein Miniappartement bis hin zur Luxusvilla mit eigenem See und eigenem Hubschrauberlandeplatz sei oder ein klassisches Einzelhandelsgeschäft, welches einen Nachfolger-Käufer beispielsweise in Montreal sucht. All das biete auch ich an und gehe auch aktiv auf Suche, wenn man mich da beauftragt.

steuerratschlag.eu: Nun ist der Kauf eines Geschäftes ja nicht so einfach. Was muss man als europäischer Einwanderer hier beachten?

Gail Cantor: Wer ein Geschäft, beispielsweise einen Ein-Dollar-Shop in Kanada kauft, um sich den Traum von der Selbständigkeit beispielsweise als Einwanderer zu erfüllen, muss vorsichtig sein:

Genau schauen, wem gehört das Haus, sofern man nur das Geschäft gekauft hat? Wie sind die Mietverträge? Kann er mich jederzeit kündigen etc.? Wer sind die Nachbarn? Hier sollte man den Makler sehr genau befragen, um böse Überraschungen später zu vermeiden.

Mich können Immobilien-Käufer natürlich immer anschreiben oder anrufen und fragen, wie es in Kanada oder Frankreich läuft oder auch beauftragen, eine geeignete Immobilie in den beiden Ländern, auch ein Geschäft, zu finden. Das bedeutet: Ob Immobilienkäufer oder Auswanderer – ich bin für beide Kundengruppen da und bin selbst einmal mit einem Ein-Dollar-Shop, den ich für mich als Alterssicherung gekauft hatte, komplett auf die Schnauze gefallen. Das ist erst wenige Jahre her und war der reinste Horror. Das Problem war hier das Mobbing eines neuen Hausbesitzers.

steuerratschlag.eu: Du hattest damals viel Geld verloren und es hat Dich viele Nerven gekostet, hattest Du erzählt.

Gail Cantor: Richtig. Doch aus Fehlern lernt man ja bekanntlich und als Makler kann ich diese Learnings an die Kunden weitergeben und sie vor teuren Fehltritten versuchen zu schützen. Wir reden ja hier nicht über peanats, sondern beim Kauf eines kleinen Geschäftes schnell über einige Hunderttausend Euro.

Grundsätzlich ist mir die Kundenzufriedenheit sehr wichtig. Es bringt mir gar nichts, wenn ich eine Immobilie beispielsweise in einem kleinen eher luxuriösen Ort vor Montreal, wie Estérel, verkaufe und sich dann rumsprechen würde:

Die hat uns über den Tisch gezogen. Wer so etwas macht, handelt grundfalsch. Es sind kurzfristige Geschäfte, die bringen keinem seriösen Immobilienmakler etwas. Und auch Montreal ist ja nicht so groß. Auch da spricht sich schnell herum, wenn ein Makler unseriös ist.

steuerratschlag.eu: Welche Sprachen sprichst Du?

Gail Cantor: Ich selbst spreche englisch und französisch, kann aber auch Kontakte zu Immobilienfachleuten herstellen, die chinesisch, spanisch, italienisch oder andere Sprachen sprechen.

steuerratschlag.eu: Welche Immobilien oder Geschäfte hast Du derzeit im Angebot?

Gail Cantor: Ich liste meine Immobilienofferten derzeit primär auf der Webseite centris.ca/en. Die luxuriöseste Immobilie, die ich derzeit verkaufe, ist ein 1960 gebaut Haus, das in Estérel liegt, zu dem aber große Ländereien gehören. Das Haus liegt direkt am See und zwar auf 6.5 Acres Land. Das sind umgerechnet 26.304 Quadratmeter.

Der größte Wert an dieser Immobilie ist das große Land und natürlich die Lage am See, wo, wie in Estérel üblich, der Hausbesitzer sein Boot anlegen kann. So etwas in dieser Größe gibt es sehr selten zu kaufen. Für die Europäer, die Kanada noch nicht so gut kennen: Estérel ist einer der beliebtesten exklusiven Wohnorte nördlich von Montreal.

Dieses eher kleinere aber äußert exklusiv gelegene Haus den 60er Jahren mit dem darum liegenden kompletten Seegrundstück und einer kleinen vorgelagerten Privatinsel steht bei Montreal zum Verkauf. Es gehört mit einem Verkaufspreis von rund 3 Millionen kanadischen Dollar, umgerechnet rund 2 Millionen Euro, zu den wertvollsten Immobilien, die gerade im vornehmeren nördlichen Wohnort von Montreal, in Estérel, von Händlerin Gail angeboten werden. (Foto: privat)

In Estérel arbeitete beispielsweise der Belgier Édouard Louis Joseph Empain. Er war ein reicher belgischer Ingenieur und Unternehmer, der in Estérel einige Häuser baute. Während des Zweiten Weltkrieges musste er Kanada verlassen, da man ihm Nazi-Zusammenarbeit vorgeworfen hatte. Er sei ein Nazi-Kollaborateur hieße es. Er starb 1976.

Doch es geht ja nicht nur um Luxusimmobilien. Die Masse sind normale Appartements oder unbebautes Land, das ich anbiete. Derzeit suche ich beispielsweise einen Käufer oder eine Käuferin in Montreal für eine kleine sehr gut gelegene Wohnung.

Die Wohnung kostet den neuen Besitzer 235.000 kanadische Dollar, umgerechnet 162.000 Euro. Die in den 1930er Jahren gebaute Wohnung liegt im beliebten Montrealer Szene-Viertel Le Plateau-Mont-Royal. Die Wohnung hat 663 pc, was für das französische Wort „Pied carré“ steht. 663 pc sind umgerechnet 61,6 Quadratmeter.

steuerratschlag.eu: Wir danken für das Gespräch.

Kontaktdaten Immobilienmaklerin Gail Cantor in Montreal, Kanada

Die Kontaktdaten von Gail Cantor finden sich unter centris.ca/en im Maklerbereich (oder hier klicken). Allerdings ist ihre eigene Makler-Webseite, groupecantor.com, derzeit offline, da sie ihre geschäftliche Webpräsenz überarbeitet. Gail Cantor ist nicht zu verwechseln mit einer anderen Frau, die zufällig auch Gail Cantor (Gail E. Cantor) heißt und die Webseite www.gailecantor.com betreibt. Diese Seite hat nichts mit unserer Interviewpartnerin zu tun. Maklerin Gail Cantor kann auch über ihren Facebook-Account angeschrieben werden.

Einzelnachweise

(1) „Historic Cantor bakery back on the rise„, von Paul Delean, in: montrealgazette.com vom 21.09.2015. Abgerufen am 10.09.2017.



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