Stand: 28. Oktober 2026 – Wer vor dem Haus Laub kehren muss, regelt in Deutschland in der Regel die Gemeinde; Vermieter/-innen können die Pflicht per Mietvertrag weitergeben. Stürzt jemand, geht es um Schmerzensgeld, Verdienstausfall und im schlimmsten Fall eine Rente. Wann die Privathaftpflicht einspringt und wann Vermieter eine eigene Police brauchen.
Mit dem Herbst liegt auf vielen Gehwegen in Deutschland wieder nasses Laub – und damit eine Rutschgefahr, für die am Ende oft nicht die Stadt, sondern die Anlieger geradestehen. Darauf weist der Versicherer HUK-Coburg in einer Verbraucherinformation vom 28. Oktober 2026 hin. Nach Angaben des Unternehmens regeln die meisten Kommunen in ihren Satzungen, ob und in welchem Umfang Hauseigentümer/-innen die Gehwege reinigen müssen. Wer sich der Pflicht dauerhaft entziehe, begehe eine Ordnungswidrigkeit; bei einem Sturz drohe zudem die persönliche Haftung. Wie gut Haushalte dagegen abgesichert sind, zeigt eine Auswertung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) auf Basis der amtlichen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS): 2023 hatten 89,2 Prozent der privaten Haushalte eine Privathaftpflichtversicherung, 2018 waren es 82,8 Prozent.
Wer den Gehweg reinigen muss
Ein bundesweit einheitliches Kehrgebot gibt es nicht. Wie oft gereinigt werden muss, welche Flächen dazugehören und ob die Pflicht überhaupt auf die Anlieger übertragen ist, steht in der Straßenreinigungs- oder Streupflichtsatzung der Stadt oder Gemeinde.
In Mehrfamilienhäusern reichen Eigentümer/-innen die Pflicht häufig weiter – über den Mietvertrag oder die Hausordnung. Nach Angaben der HUK-Coburg ist das zulässig. Wer als Mieterin oder Mieter die Kehrpflicht übernommen hat, trägt damit auch Verantwortung, wenn sie versäumt wird.
Was ein Sturz rechtlich nach sich ziehen kann
Grundlage der Haftung ist in der Regel § 823 Absatz 1 BGB: Wer fahrlässig den Körper oder die Gesundheit eines anderen verletzt, muss den Schaden ersetzen. Dazu gehören Behandlungskosten, bei Körperverletzung zusätzlich ein Schmerzensgeld nach § 253 Absatz 2 BGB und Nachteile für Erwerb und Fortkommen nach § 842 BGB. Ist die Erwerbsfähigkeit dauerhaft gemindert, schuldet der Verantwortliche nach § 843 BGB eine Geldrente.
Ob und in welchem Umfang jemand haftet, hängt nach Angaben der HUK-Coburg oft von den Umständen ab: Wann fiel das Laub, wann wurde zuletzt gekehrt, wie war der Gehweg beleuchtet? Auch die gestürzte Person muss aufpassen. Trifft sie ein Mitverschulden, etwa weil sie erkennbar rutschiges Laub ignoriert hat, kann der Ersatz nach § 254 BGB gekürzt werden.
Welche Versicherung einspringt
Die Privathaftpflicht übernimmt nach den Musterbedingungen des GDV (AVB PHV, Stand Mai 2020) drei Aufgaben: Sie prüft, ob überhaupt eine Haftung besteht, wehrt unberechtigte Forderungen ab und zahlt berechtigte (Abschnitt A1-4.1). Entscheidend ist, in welcher Rolle du betroffen bist:
| Situation | Schutz laut GDV-Musterbedingungen | Was du prüfen solltest |
|---|---|---|
| Eigentümer/-in bewohnt Einfamilienhaus oder Wohnung selbst | Privathaftpflicht, inklusive Reinigung und Streuen auf Gehwegen (A1-6.3.1 und A1-6.3.2 a) | ob der Vertrag auf diesen Mustertexten aufbaut |
| Mieter/-in hat Kehrpflicht per Mietvertrag übernommen | Privathaftpflicht des Mieters, auch für die vom Vermieter übernommene Verkehrssicherungspflicht (A1-6.3.2 a) | Mietvertrag, Hausordnung, eigene Haftpflicht |
| Nachbar/-in oder Hilfe fegt gefälligkeitshalber | mitversichert in der Privathaftpflicht des Auftraggebers, soweit diese Person den Streudienst versieht (A1-2.1.5) | wer konkret beauftragt ist |
| Eigentümer/-in vermietet Wohnungen oder ein Mehrfamilienhaus | nicht über die Muster-Privathaftpflicht – dort ist nur die Vermietung einzelner Wohnräume eingeschlossen, keine Wohnungen (A1-6.3.2 b) | eigene Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht |
| kein Haftpflichtvertrag | kein Versicherungsschutz; Schadensersatz aus eigenem Vermögen | Abschluss einer Privathaftpflicht |
Quelle: GDV, Allgemeine Versicherungsbedingungen für die Privathaftpflichtversicherung (AVB PHV), Stand Mai 2020. Unverbindliche Musterbedingungen; einzelne Versicherer weichen ab. Spalte 3: Einordnung der Redaktion.
Versicherer müssen sich nicht an die Musterbedingungen halten; Tarife können großzügiger oder enger sein. Wer eine vermietete Eigentumswohnung oder ein Mehrfamilienhaus besitzt, sollte deshalb im Versicherungsschein nachsehen, ob die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht ausdrücklich enthalten ist.
Umgekehrt heißt das: Rund elf Prozent der Haushalte hatten 2023 keine Privathaftpflicht (eigene Berechnung aus den GDV-Angaben). Die EVS fragt Haushalte, nicht einzelne Verträge; ob eine Police die Kehrpflicht im konkreten Fall abdeckt, sagt die Statistik nicht.
Was du jetzt prüfen kannst
Eine feste Absprache mit Nachbarn oder ein beauftragter Dienst schafft Klarheit, wer während Abwesenheiten zuständig ist.
Unser Fazit
Die Kehrpflicht klingt nach Kleinkram, die Haftung dahinter ist es nicht: Ein Sturz mit dauerhaften Folgen kann zu Zahlungen über viele Jahre führen. Für Selbstnutzer/-innen und Mieter/-innen mit Kehrpflicht ist die Privathaftpflicht in den GDV-Musterbedingungen die passende Absicherung, Vermieter/-innen brauchen in der Regel eine eigene Police für das vermietete Objekt. Maßgeblich sind die Bedingungen des eigenen Vertrags; eine Empfehlung für einzelne Anbieter geben wir nicht.
Der Versicherungsombudsmann ist eine von der Versicherungswirtschaft getragene Schlichtungsstelle; die Schlichtung ist für Verbraucher/-innen kostenlos. Die BaFin entscheidet keine Einzelfälle, nimmt aber Beschwerden über Versicherer auf.
Häufige Fragen
Muss ich als Mieter/-in den Gehweg kehren?
Nur, wenn die Pflicht wirksam auf dich übertragen wurde, etwa im Mietvertrag oder in der Hausordnung. Ohne eine solche Regelung bleibt sie beim Eigentümer bzw. bei der Eigentümerin, soweit die Gemeinde sie auf die Anlieger übertragen hat.
Zahlt meine Privathaftpflicht, wenn jemand auf meinem Laub ausrutscht?
In den GDV-Musterbedingungen ja, wenn du die Wohnung oder das Einfamilienhaus selbst bewohnst oder die Kehrpflicht als Mieter/-in übernommen hast. Ob dein Tarif genauso formuliert ist, steht in den Bedingungen deines Vertrags.



