Wer Steuern nicht bezahlt, riskiert zuerst Zuschläge und am Ende die Pfändung: In Deutschland darf das Finanzamt selbst pfänden und versteigern, in Österreich ebenso; in der Schweiz läuft es über die Betreibung. Was dabei geschützt ist, welche Zuschläge vorher anfallen und wie du eine Pfändung abwendest – mit Rechner für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Stand: 22. Oktober 2026.
Es war ein ungewöhnlicher Ausverkauf: Am 25. August 2015 verwandelte sich ein Raum im Finanzamt Plauen in Sachsen in einen Modeladen. Verkauft wurden rund 300 handgefertigte Kleidungsstücke einer Schneiderin – Einzelstücke, unter anderem aus Seide und Plauener Spitze, für etwa 20 bis 200 Euro. Die Stücke waren gepfändet, der Erlös sollte ihre Steuerschulden decken; laut der Chemnitzer Tageszeitung Freie Presse war die Schneiderin mit dem Verkauf einverstanden (unser Bericht von damals). Der Fall zeigt, wie die Vollstreckung durch das Finanzamt funktioniert.
Begriffe in den Ländern: In Deutschland heißt das Verfahren Vollstreckung (Abgabenordnung, AO), in Österreich Abgabenexekution (Abgabenexekutionsordnung, AbgEO), in der Schweiz Betreibung (Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz, SchKG). Gemeint ist jeweils die zwangsweise Durchsetzung einer Geldforderung des Staates.
Rechner: Was kostet die verspätete Zahlung?
Rechenbeispiele je Land
Modellrechnung für eine offene Steuer von 5.000 Euro bzw. 5.000 Franken, 45 Tage nach Fälligkeit bezahlt:
| Land | Regel | Ergebnis im Beispiel |
|---|---|---|
| Deutschland | 1 % je angefangenen Monat auf den auf 50 Euro abgerundeten Rückstand (§ 240 AO); 45 Tage = 2 angefangene Monate | 100 Euro |
| Österreich | Erster Säumniszuschlag 2 % (§ 217 BAO); zweiter und dritter Zuschlag erst später | 100 Euro |
| Schweiz | Verzugszins direkte Bundessteuer 2026: 4,0 % pro Jahr, taggenau | rund 24,66 Franken |
Berechnung: STEUERRATSCHLAG.eu. Schweiz: 5.000 x 4,0 % x 45 / 365. Ohne Kantons- und Gemeindesteuern, die eigene Zinssätze haben.
Deutschland: vom Säumniszuschlag zur Pfändung
Zahlt jemand eine festgesetzte Steuer nicht bis zum Fälligkeitstag, entsteht nach § 240 AO für jeden angefangenen Monat ein Säumniszuschlag von 1 Prozent des auf volle 50 Euro abgerundeten Rückstands; bis zu drei Tage Verspätung bleiben zuschlagfrei. Danach folgen Mahnung und Vollstreckung. Das Finanzamt braucht dafür kein Gericht: Es ist selbst Vollstreckungsbehörde und kann durch Vollziehungsbeamtinnen und -beamte pfänden lassen – Konten, Lohn, aber auch bewegliche Sachen.
Was nicht gepfändet werden darf, regelt § 295 AO durch Verweis auf die Zivilprozessordnung. Nach § 811 ZPO sind unter anderem Sachen geschützt, die du für eine bescheidene Lebens- und Haushaltsführung oder für deine Erwerbstätigkeit benötigst, außerdem Trauringe, Orden und nicht gewerblich gehaltene Haustiere. Für eine Schneiderin heißt das: Die Nähmaschine, mit der sie ihr Geld verdient, bleibt in der Regel bei ihr. Fertige Kleider, die zum Verkauf bestimmt sind, sind dagegen Vermögen – und damit pfändbar.
Gepfändete Sachen werden grundsätzlich öffentlich versteigert, auch im Internet (§ 296 AO). Auf Antrag oder wenn es zweckmäßiger ist, kann die Behörde eine andere Verwertung anordnen (§ 305 AO) – etwa einen Verkauf wie in Plauen. Laut dem damaligen Amtsleiter hatte es solche Verkäufe in Plauen zuletzt in den 1990er-Jahren gegeben.
Österreich: Säumniszuschläge und Abgabenexekution
In Österreich fällt nach § 217 Bundesabgabenordnung (BAO) ein erster Säumniszuschlag von 2 Prozent an; ein zweiter und dritter von jeweils 1 Prozent folgen, wenn die Abgabe drei Monate nach Eintritt der Vollstreckbarkeit beziehungsweise drei weitere Monate später noch offen ist. Zuschläge unter 50 Euro werden nicht festgesetzt; bei bis zu fünf Tagen Verspätung entfällt der Zuschlag, wenn in den sechs Monaten davor pünktlich gezahlt wurde. Wer ohne grobes Verschulden zu spät zahlt, kann die Herabsetzung beantragen. Die Pfändung beweglicher Sachen und deren Verwertung regelt die Abgabenexekutionsordnung (AbgEO); auch hier führt die Abgabenbehörde die Exekution selbst durch.
Schweiz: Verzugszins und Betreibung
Bei der direkten Bundessteuer verlangt der Bund auf verspätete Zahlungen einen Verzugszins, der 2026 bei 4,0 Prozent pro Jahr liegt und laut Mitteilung des Eidgenössischen Finanzdepartements vom 22. September 2026 auch 2027 unverändert bleibt. Für Kantons- und Gemeindesteuern legen die Kantone eigene Sätze fest. Anders als in Deutschland und Österreich pfändet das Steueramt nicht selbst: Es leitet beim Betreibungsamt die Betreibung nach dem Schuldbetreibungs- und Konkursgesetz (SchKG) ein. Welche Vermögenswerte unpfändbar sind – etwa Gegenstände des persönlichen Gebrauchs und Werkzeuge, die für die Berufsausübung notwendig sind – legt Artikel 92 SchKG fest.
So wendest du eine Pfändung ab
Früh reden: Sobald absehbar ist, dass du nicht zahlen kannst, solltest du dich bei der Steuerbehörde melden. In Deutschland kann das Finanzamt Steuern stunden, wenn die Einziehung eine erhebliche Härte wäre (§ 222 AO), und die Vollstreckung einstweilen einstellen oder beschränken, wenn sie im Einzelfall unbillig ist (§ 258 AO). In Österreich ist eine Zahlungserleichterung, also Stundung oder Ratenzahlung, über FinanzOnline zu beantragen. In der Schweiz sind Ratenzahlungen mit dem kantonalen Steueramt zu vereinbaren.
Einspruch ist kein Zahlungsaufschub: Wer einen Bescheid anficht, muss in Deutschland trotzdem zahlen, solange keine Aussetzung der Vollziehung gewährt wird.
Typische Fehler
Briefe der Steuerbehörde ungeöffnet liegen lassen; Fristen im Bescheid übersehen; davon ausgehen, dass eine Beschwerde die Zahlung automatisch stoppt; Ratenzahlungen nur mündlich vereinbaren statt schriftlich bestätigen zu lassen.
Unser Fazit
Pfändungen durch das Finanzamt sind in Deutschland und Österreich ohne Gericht möglich und können auch Ware oder Inventar treffen. Arbeitsgeräte und Dinge des täglichen Bedarfs sind meist geschützt. Am günstigsten ist es, gar nicht erst in Verzug zu geraten – oder bei Zahlungsproblemen früh einen Antrag auf Stundung oder Ratenzahlung zu stellen.
Wo finde ich was?
Deutschland: ELSTER (Anträge und Nachrichten an das Finanzamt online), Abgabenordnung. Österreich: FinanzOnline beim Finanzministerium, oesterreich.gv.at. Schweiz: Eidgenössische Steuerverwaltung (ESTV) und das Steueramt deines Kantons.
Portal-Check
ELSTER (Deutschland) – staatlich, seit 1999 online, betrieben von der Steuerverwaltung der Länder; finanziert aus Steuermitteln, kostenlos. Für Anträge auf Stundung oder Ratenzahlung gibt es dort „Sonstige Nachrichten an das Finanzamt“. Redaktionsurteil: ★★★★☆ (4 von 5) – kostenlos, rechtssicher und direkt beim Finanzamt, aber Registrierung und Bedienung sind für Ungeübte aufwendig.
FinanzOnline (Österreich) – staatlich, seit 2003 online, Portal des Bundesministeriums für Finanzen; finanziert aus Steuermitteln, kostenlos. Ansuchen um Zahlungserleichterung lassen sich direkt einbringen. Redaktionsurteil: ★★★★☆ (4 von 5) – direkter Draht zum Finanzamt, Anmeldung etwa mit ID Austria nötig.
ESTV und kantonale Steuerämter (Schweiz) – staatlich; finanziert aus Steuermitteln. Zuständig für Raten ist meist das kantonale Steueramt, die Online-Angebote unterscheiden sich je Kanton. Redaktionsurteil: ★★★☆☆ (3 von 5) – verlässliche Informationen, aber kein einheitlicher Online-Weg für alle Kantone.
Redaktionsurteil von STEUERRATSCHLAG.eu nach Kosten, Funktionsumfang, Verständlichkeit und Trägerschaft; keine bezahlte Bewertung.
Häufige Fragen
Darf das Finanzamt mein Auto pfänden?
Grundsätzlich ja. Geschützt ist es nur, wenn du es etwa für deine Erwerbstätigkeit oder aus gesundheitlichen Gründen benötigst (§ 811 Abs. 1 Nr. 1 ZPO). Ob das zutrifft, ist eine Frage des Einzelfalls.
Ist ein Säumniszuschlag dasselbe wie ein Zins?
Nein. In Deutschland ist der Säumniszuschlag ein Druckmittel und wird pro angefangenem Monat erhoben. In der Schweiz wird bei der direkten Bundessteuer dagegen ein Verzugszins pro Jahr berechnet.
Kann ich gepfändete Sachen selbst ersteigern?
Öffentliche Versteigerungen stehen grundsätzlich allen offen. Für deine Steuerschuld zählt nur der Erlös, der nach Abzug der Kosten übrig bleibt.



