Stößt sich Mallorca mit Touristen gesund? Die neue Urlaubersteuer sorgt für Kritik.
Stößt sich Mallorca mit Touristen gesund? Die neue Urlaubersteuer sorgt für Kritik.

Die kanarische Insel Mallorca zockt jetzt kräftig auch Urlauber aus Deutschland ab. Zusätzlich zu den hohen Kosten für Hotels sollen Touristen seit 1. Juli 2016 pro Nacht zwischen 50 Cent und 2 Euro „Touristensteuer“ bezahlen, beziehungsweise eine „Urlaubersteuer“, welche im Spanischen als „Ecotasa“ bezeichnet wird.

Auf die genannten Nettobeträge der neuen Urlaubersteuer für Mallorca fallen 10% Mehrwertsteuer an. Die Mehrwertsteuer kann jedoch am Flughafen bei der Ausreise an einem speziellen Counter wieder zurückgeholt werden. Für die Zurückholung der bezahlten Mehrwertsteuer sollte man am Flughafen ein bis zwei Stunden zusätzliche Zeit einplanen. Allerdings kann nur jene Mehrwertsteuer zurückgeholt werden, für welche man auch Rechnungsbelege von den Hotels vorlegen kann – und zwar Belege, aus welchen klar der Name des Bezahlers, also des Rechnungsempfängers, beziehungsweise Touristen steht.

Die neue Urlaubersteuer für Mallorca und die sonstigen Balearen-Insel bedeutet: Ein Pärchen bezahlt also im üblichen Fall künftig täglich 4,40 Touristensteuer. Die Touristensteuer für eine siebentägige Pauschalreise würde entsprechend für zwei Personen mit 30,80 Euro zu Buche schlagen, für eine 14-tägige mit 61,60 Euro.

Auch für eine vierköpfige Familie mit zwei Teenagern, welche bereits 16 Jahre alt sind, wird es künftig teuerer. Denn von der neuen Touristensteuer verschont bleiben auf Mallorca nur noch Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 15 Jahren.

Das heißt: Eine Familie, deren beiden Kinder bereits 16 sind, müsste künftig für eine siebentägige Pauschalreise nach Mallorca in einem der üblichen 4-Sternehotels zusätzlich zum Pauschalreisepreis 61,60 Euro Touristensteuer im Hotel abdrücken.

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2,20 Euro Touristensteuer pro Tag (incl. Mwst) sind beispielsweise in den folgenden Hotels zu bezahlen: Hotels der Kategorie 5 Sterne plus, in Hotels der Kategorie 5 Sterne und 4 Sterne plus, sowie in Ferienapartments der Kategorie 4 Schlüssel und 4 Schlüssel plus.

Die vollständige Touristensteuer müssen Urlauber auf Mallorca in der Hochsaison bezahlen. In der Nebensaison, also im Winter, soll die Gebühr halbiert werden. Wie hoch letztlich die neue Touristensteuer auf Mallorca sowie den Nachbarinseln ist, hängt von der Kategorie ab, in welche ein Hotel eingruppiert ist, wobei die Masse in die Kategorie 2 Euro oder 1,50 Euro fällt (Netto-Betrag).

Hotels unzufrieden, treiben aber Urlaubssteuer von Touristen ein

Gegenüber dem Mallorca Magazin, einer von zwei deutschsprachigen Zeitungen auf der Insel, sagte Antonio Seijas, Direktor des Hotels „Cristóbal Colón“ an der Playa de Palma, wonach sein Hotel schon mit der Erhebung der neuen Steuer begonnen habe. Touristen müssen direkt am Check-in die neue Urlaubersteuer bezahlen – in bar oder mit Kreditkarte und zwar im Voraus.

Wie hoch jeweils die Touristensteuer ist, das wissen die Reiseveranstalter auch in Deutschland seit geraumer Zeit. Denn alle haben nun eine Preistabelle erhalten. In Deutschland gibt es rund 75 Reiseveranstalter, welche die Masse der Pauschalreisen organisieren, welche von Millionen Deutschen jährlich auf Online-Reiseportalen oder im stationären Reisebüro an der Ecke gebucht werden. Trotz starker Online-Reiseportalen gibt es in Deutschland immer noch rund 10.000 Reisebüros in den Ortschaften, wobei die Tendenz rückläufig ist.

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Die Hotels auf Mallorca und den weiteren Balearen-Inseln sollen künftig die eingetriebene Urlaubersteuer direkt an die Steuerbehörden weiterleiten.

Wie straff der Steuerbehörden ihr neues Steuer-Modell durchziehen, das von Kritikern als Abzocke von Urlaubern bezeichnet wird, zeigt sich daran, dass die Hotels sogar im Voraus eine Pauschale für die Steuer überweisen müssen. Erst nach der Urlaubersaison wird dann im Detail abgerechnet, ob eine Zurückerstattung von Steuern notwendig ist oder eine Nachzahlung.

Die Hoteliers in Mallorca sind nach Angaben des Mallorca Magazins nicht glücklich mit der neuen Steuer, fürchten um ihre Wettbewerbsfähigkeit mit Ländern und anderen Inseln, auf welchen keine Urlaubersteuer zusätzlich zu den hohen Hotelkosten von den Gästen verlangt wird.

Die Balearen-Inseln erwirtschaften 40% ihrer Einnahmen aus Tourismus – mehr als zwei Milliarden Euro jährlich.

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Dass sich für Mallorca die neue Touristensteuer lohnt, zeigt sich an den Prognosen der Mallorca-Regierung. Demnach gehe man jährlich von 50 bis 70 Millionen Euro zusätzlichen Steuereinnahmen auf den Balearen aus. Die Betonung dürfte auf „zusätzlich“ liegen. Denn die Touristen bezahlen schon heute auf Mallorca eine Steuer. So ist die Steuer standardmäßig in jeder Hotelbuchung enthalten, auch bei jedem Essengehen in einem Restaurant, oder dem Shoppen in Geschäften. Zudem hängen Hunderttausende Jobs auf Mallorca direkt von den Touristen ab, also letztlich der gesamte Wohlstand.

Sozialtaten oder PR?

Wie üblich, wenn Bürger mit Steuern abgezogen werden, holen Regierungen gerne die Sozialtaten hervor, welche man angeblich künftig mit den neuen Steuern unterstützten wolle. Das gilt auch für Mallorca.

So sagte die Regierung, man wolle die 50 bis 70 Millionen Euro, welche man von deutschen, britischen oder russischen Touristen nun zusätzlich jährlich über die Urlaubersteuer eintreibe, dazu benutzen, um angeblich „das kulturelle Erbe der Insel“ zu schützten. Zudem solle die touristische Infrastruktur verbessert werden, wozu die Restaurierung historischer Festungen und Landgüter auf Mallorca gehöre.

Trotz der neuen Urlaubersteuer geht die Balearen-Insel Mallorca nicht von rückläufigen Buchungszahlen in den Hotels aus. Grund: Auf die Türkei möchten immer weniger Urlauber reisen, Griechenland hat in den vergangenen Jahren ebenfalls an Attraktivität verloren. Auch die ehemaligen Touristenländer Ägypten, Tunesien oder Algerien in Nordafrika konnten sich von den Bürgerkriegsszenen aus den Jahren 2011 noch nicht ganz erholen. Schlagzeilen von Bombenanschlägen oder anderen Terroranschlägen auf Touristen schrecken zudem Millionen Gäste aus Europa ab.

„Wir glauben, dass der Tourismusmarkt auf den Balearen wegen der Steuer nicht schrumpfen wird. Vielmehr gehen wir davon aus, dass er wegen großer Unsicherheiten in anderen Urlaubsregionen weiter wächst“, erklärte denn auch der balearische Tourismusminister Biel Barceló.

Damit die neue Touristensteuer nicht so sehr nach Abzocke klingt, hat sich die Balearenregierung einfallen lassen, gleich eine neue Webseite aus der Taufe zu heben, auf welcher die Tarife für die neue Urlaubersteuer mit dem folgenden Namen überschrieben wird: „Steuer für nachhaltigen Tourismus“ (http://www.sustainableislands.travel/). Mit dem Label, man betreibe angebliche nachhaltigen Tourismus, schmücken sich weltweit gerne Hotels, indem sie ein „Eco“ in ihren Hotelnamen integrieren.

„Nachhaltig“ ist ein gerne verwendeter Begriff, wenn es um Touristen geht

Das „Eco“ steht für „Economic“, aber im Sinne von „nachhaltig“, beziehungsweise ökonomisch-ökologisch. Damit möchten die Hotels den Eindruck erwecken, als würde die Region, in welcher ein solches Hotel steht, in besonderem Maße vom wirtschaftlichen Wachstum des Tourismus und der Hotelgäste profitieren.

Doch weiß, wer jemals beispielsweise auf der Dominikanischen Republik in einem 5-Sterne-Hotel Urlaub gemacht hat: Auch neben angeblich „nachhaltig“ wirtschaftenden Hotels befinden sich in 100 Meter Entfernung die Slums, in welchen die Bevölkerung nach wie vor hinvegetiert.

Die neue Touristensteuer auf Mallorca und den sonstigen Balearen-Inseln in der tabellarischen Übersicht (Kosten Euro pro Tag):

2 Euro (+10% Mwst):

Hotels der Kategorie 5 Sterne plus, 5 Sterne und 4 Sterne plus / Ferienapartments der Kategorie 4 Schlüssel und 4 Schlüssel plus

1,50 Euro (+10% Mwst):

Hotels der Kategorie 4 Sterne und 3 Sterne plus / Ferienapartments der Kategorie 3 Schlüssel plus.

1 Euro (+10% Mwst):

Hotels und Ferienapartments der Kategorie 3, 2 oder 1 Stern(e)/Schlüssel, Hotels und Ferienapartments der Kategorie 3, 2 oder 1 Stern(e), Ferienvermietung (Fincas, Apartments, Häuser) und andere touristische Unterkünfte, Landhotels, Agroturismos und Gasthöfe, Pensionen, Gasthäuser und Campingplätze, Herbergen und Berghütten

0,5 Euro (+10% Mwst):

Touristische Kreuzfahrtschiffe

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Von Frank

Frank faszinieren ausgefallene Geschäftsmodelle und Steuersysteme. Neben Russland interessiert er sich besonders auch für die Schweizer Steuermodelle oder jene in Südafrika. Kontakt über: frank.herrmann@steuerratschlag.eu

Ein Gedanke zu „Tabelle Touristensteuer Mallorca: „Ecotasa“ bringt bis zu 70 Mio. Euro für die Regierung jährlich“

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