Der Teletón ist eine chilenische National-Institution. Alle machen jedes Jahr mit. (Bild: www.teleton.cl)
Der Teletón ist eine chilenische National-Institution. Alle machen jedes Jahr mit. (Bild: www.teleton.cl)

Es ist seit 1978 in Chile die wichtigste Charity-Veranstaltung für Kinder und Jugendliche mit körperlichen Beeinträchtigungen: Der Teletón Chile, von vielen auch als „Teleton“ geschrieben. Abgehalten wird das Event in der Regel in der Vorweihnachtszeit.

Im Gegensatz zu Deutschlands Kinder-Charitys wie „Ein Herz für Kinder“ von der BILD-Zeitung (Axel Springer SE), werden für das Teletón Chile über Wochen Spenden gesammelt:

In Ortschaften, Vereinen, auf dem Fußballplatz, in Unternehmen, Theatern, Museen und Opern, bei der Oma, dem Opa, den Eltern, Tanten, Freunden, dem Bruder, der Schwester, auf Schul-Veranstaltungen. Höhepunkt ist dann eine Show im Dezember, oft in einem großen Fußballstadion abgehalten, welche im Fernsehen übertragen wird.

Beim Teletón Chile 2016 sind, das wurde nun veröffentlicht, 34 Millionen Euro gesammelt worden. In Spitzenjahren waren es bis zu 55 Millionen Euro. Zum Beispiel im Jahr 2014.

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Die Summe von 34 Millionen Euro gab der Exekutivdirektor der Stiftung, Ximena Casarejos, bekannt. Bereits am 3. Dezember 2016 hatte im Fußballstadion von Santiago der Höhepunkt des Spendenaufrufs zu Gunsten von Kindern und Jugendlichen zur Behandlung in Rehabilitationseinrichtungen stattgefunden.

Der Anteil von Unternehmens-Spenden für den Teletón lag in diesem Jahr bei 25,8%. Deshalb sagte Ximena Casarejos, dass die Spenden direkt aus der Bevölkerung nach wie vor das wichtigste Standbein der Kinder- und Jugendstiftung seien. Ein Großteil der Spenden wird über das Internet überwiesen.

Stiftungs-Chef Ximena Casarejos erklärte zum Abschluss des Teletón 2016: „Wir danken und bestätigen, dass die Chilenen enorme Anstrengungen gemacht haben in einer schwierigen Zeit für die Nation uns wieder einmal… zu unterstützten.“

85 Prozent der Teletón-Spenden gehen zu Gunsten von unter 20-Jährigen Chilenen, welche motorische Probleme, beziehungsweise Behinderungen, haben.

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Seit Gründung im Jahr 1978 wurde über 370.000 Kindern und Jugendlichen ermöglicht, an therapeutisch-medizinischen Maßnahmen teilzunehmen. Jährlich kommen im Schnitt 3000 neue Patienten hinzu. Die Maßnahmen werden oft nicht nur über ein Jahr gefördert, sondern über mehrere Jahre für die Patienten bezahlt.

Der Teleton selber umreißt seine Aufgabe mit den Worten: „Unsere wichtigste Arbeit ist es, Maßnahmen an Kindern und Jugendlichen durchzuführen, welche Behinderungen haben. Dabei geht es nicht nur um Rehabilitation, sondern darum, in unserem Land eine kulturelle Veränderung für die Würde von Menschen mit Behinderungen und ihrer Rechte herbeizuführen.“

Des weiteren schreibt die Stiftung zu ihren Aufgaben: „Wir sind eine Institution, eine gemeinnützige Organisation für die Rehabilitation von Kindern und Jugendlichen mit körperlichen Behinderungen. Unser Ziel ist es, ihre Lebensqualität zu verbessern und die Würde des Menschen zu fördern. Wir fördern die Entwicklung ihrer Fähigkeiten und ihre Einbeziehung in die Gesellschaft. Dabei ist die Integration der Familie der Patienten willkommen und unersetzlich, denn deren Rolle ist für die Rehabilitation der Kinder und Jugendlichen zentral.“

Auch wenn die Teletón-Stiftung 1978 gegründet wurde, so geht das soziale Engagement der Menschen, die hinter ihr stehen, auf das Jahr 1947 zurück. Damals überzog Chile die schlimmste Polio-Epidemie des 20. Jahrhunderts. Tausende Kinder litten unter den Folgen dieser Krankheit und hatten Muskelatrophie, Lähmungen, Skelettdeformitäten und Skoliose. Viele Chilenen leiden bis heute unter der damaligen Polio-Epidemie.

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Auf Grund der schlechten wirtschaftlichen Situation konnte vielen Chilenen 1947 und in den darauffolgenden Jahren nicht geholfen werden. Damals spendeten zwar Chilenen für Polio-Kranke, doch reichte das Budget gerade einmal für 78 Patienten aus. Sie wurden in der Zentrale der Stiftung, in der Huérfanos 2681, betreut.

Die offizielle Gründungsstiftung fand am 8. und 9. Dezember 1978 im Teatro Casino Las Vegas statt.

Das Theater war damals brechend voll. Vor dem Theater standen auf der Straße Schlangen von Menschen. Wer nicht spenden konnte, brachte Obstkörbe, Schmuck oder Edelsteine. Das Ergebnis der ersten Spendenaktion waren 85 Millionen Chilenische Pesos. Umgerechnet waren dies 2,7 Millionen US-Dollar. In US-Dollar werden die Spenden neben den Pesos bis heute offiziell bekannt gegeben.

Zwölf Monate nach Abschluss des ersten Telethon öffnete im Jahr 1979 das „Kinder Rehabilitation Institute“ in Santiago. In den kommenden Jahren wurden ähnliche Kinder- und Jugend-Einrichtungen in den Städten Antofagasta sowie in Concepcion gegründet (1981), oder in der Hafenstadt Valparaiso im Jahr 1982.

Zentrale Figur in der Stiftung und deren Etablierung ist der deutschstämmige Mario Kreutzberger, heute 76. Bekannt ist er in Chile als Don Francisco. Der TV-Moderator gehört seit Jahrzehnten zu den berühmtesten Chilenen und ist vergleichbar mit TV-Star Thomas Gottschalk aus Deutschland. Kreutzberger moderierte bereits die erste Auftakt-Spendenaktion im Jahr 1978 und macht dies bis heute.

Seit 1978 wurden 13 Reha-Einrichtungen in chilenischen Städten mit den Spenden des Teletón gegründet: In Santiago (1979), in Antofagasta und Concepción (1981), sowie in Valparaiso (1982). Hinzu kamen die Städte Arica (1989), Puerto Montt (1991), Iquique (1996), Temuco (2001), Coquimbo (2003), Talca (2006), Atacama (2011), Calama und Coyhaique (2013). In Kürze soll noch in Valdivia die 14. Reha-Einrichtung für Kinder und Jugendliche hinzukommen.

In den späten 1990er Jahren erließ die Regierung des schweizerisch-stämmigen Präsidenten Eduardo Frei Ruiz-Tagle, heute 74, ein Gesetz, welches die soziale Integration von Menschen mit Behinderungen festgeschrieben hat.

1994 war zudem der staatlich getragene National Disability Fund (Fonadis) gegründet worden.Im Jahr 2010 kam der National Disability Service (Senadis) hinzu.

Der Teletón wird jährlich von internationalen Stars gefördert. In Chile wiederum stellen Künsler im Rahmen einer Teletón-Art Gallery ihre Kunstwerke zu Gunsten der Stiftung zur Verfügung.

Homepage der Stiftung: www.teleton.cl

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Von Elke

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