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Freitag, 12. Juli 2019

USA Steuerreform kostet Goldman Sachs 5 Milliarden Dollar – zumindest kurzfristig

Wer hätte das gedacht: Trotz aller medialen Unkenrufen zum Trotz, wonach US-Präsident Donald Trump die Reichen in den USA noch superreicher mache, gibt es scheinbar zumindest kurzfristig auch Verlierer unter den Megakonzernen:

Ausgerechnet das amerikanische Investmenthaus Goldman Sachs, welches rund 34.000 Mitarbeiter beschäftigt bei einem Umsatz von rund 35 Milliarden US-Dollar, gab nun bekannt:

Man müsse mit Abschluss des 4. Quartals 2017 die im Jahr 2018 erwarteten kurzfristigen Gewinnrückgänge in Höhe von 5 Milliarden US-Dollar verbuchen. [1]

Golman Sachs war 1869 von dem deutsch-jüdischen Auswanderer Marcus Goldman gegründet worden. Goldman war Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem unterfränkischen Örtchen Trappstadt im Landgerichtsbezirk Königshofen in die USA ausgewandert. [2]

Dass Goldman Sachs seinen erwarteten Gewinnrückgang aus 2018 schon im 4. Quartal 2017 vermeldet, wird jedoch nicht dafür sorgen, dass Goldman Sachs ins Minus rutscht.

Die adhoc verbreitete Meldung zum erwarteten Gewinnrückgang im Jahr 2008 bei Goldman Sachs hat folgende Gründe:

So müssen in den USA erwartete steuerliche außergewöhnliche Zuflüsse oder Abflüsse mit Abschluss des Quartals vorbeugend verbucht und bekannt gegeben werden, in welchen sie bekannt oder absehbar geworden sind. In Deutschland ist das bei Aktiengesellschaften nicht viel anders.

Erwartete Gewinnrückgänge müssen Aktiengesellschaften umgehend bekannt geben

Da im 4. Quartal 2017 die US-Steuerreform verabschiedet worden ist, sah sich Goldman Sachs nun gezwungen, die erwarteten kurzfristigen Gewinnrückgänge öffentlich zu machen.

Das ist nicht ohne eine Groteske. Denn gerade amerikanische Investmentbanken wie Goldman Sachs sind weltweit dafür bekannt, dass sie Unternehmen mit Steuertricks in Übersee helfen.

Zu den Steuertrickersländern gehören besonders die EU-Mitgliedsländer Irland, Luxemburg oder die Niederlande.

Diese Ländern helfen vor allem US-Konzernen dabei, dass die Unternehmen zwar in Ländern wie Deutschland oder Frankreich Hunderte Milliarden Euro Umsatz erzielen können und viele Milliarden Euro Gewinne dort machen, dass sie dieses dort erwirtschaftete Geld aber über Tricksereien in Dumpingsteuerländern verbuchen können.

Als Steueroasen bekannt sind zudem einige den USA vorgelagerte Regionen wie die britischen Cayman Inseln oder Bermudainseln.

Auch Singapur oder Peru sind Staaten, nach welchen Umsätze und hohe Gewinne aus Ländern wie Deutschland oder Frankreich gerne künstliche verschoben werden.

Private deutsche Arbeitnehmer, die in der Schweiz arbeiten, müssen Homeoffice-Tage in Deutschland zusätzlich versteuern

Würden aber beispielsweise deutsche Privatbürger mit solchen Steuertricks agieren, würden sie mit einem Strafverfahren wegen Steuerhinterziehung auf Grund von Umgehungsmodellen rechnen müssen.

Denn bei privaten Arbeitnehmern, beispielsweise Deutschen, welche in Länder wie die Schweiz gehen, um dort zu arbeiten und zu wohnen, sieht das deutsche Steuerrecht seltsamerweise vor:

Jeder Tag, den ein solcher Arbeitnehmer beispielsweise in einer deutschen Filiale in Deutschland zwischendurch mal arbeitet, oder einen Homeoffice-Tag an seinem Zweitwohnsitz in München oder Berlin macht, muss diese Tage in Deutschland per zweiter Steuererklärung zusätzlich versteuern.

Vor allem wer in Deutschland trotz Umzugs in die Schweiz noch einen Zweitwohnsitz hat, muss hier besonders aufpassen.

„Wir überprüfen natürlich Stromrechnungen oder Handyrechnungen“, erklärt eine Finanzamtsmitarbeiterin aus Süddeutschland. Und ein Steuerberater vom Bodensee führt weiter aus:

Wenn das deutsche Finanzamt einem jahrelang nachweisen könne, dass man zwar in der Schweiz offiziell wohnt und dort arbeitet, aber doch im Jahr mehrere Tage oder Monate in Deutschland war und dort wahrscheinlich arbeitete, müsse mit Steuerrazzien rechnen und einem sehr teuren Steuerstrafverfahren.

Großkonzerne dürfen Arbeitsleistungen in Steueroasen verschieben, private Arbeitnehmer nicht

Hinzu kommt: Es ist kaum glaubhaft, dass die Schweiz solche in Deutschland verbrachte Arbeitstage in der Steuererklärung nachträglich anders verrechnet. Deshalb sind sogar Doppelbesteuerungen für Privatbürger möglich.

„Dass Großkonzerne wie Apple, Google, Microsoft oder Facebook die Steuerverschieberei in Dumpingsteuerländer ungestraft auf die Spitze treiben können ist gegenüber Privatbürgern ein Skandal“, kommentiert die Steuertricks ein Steuerberater vom Bodensee.

Der Steuerberater berät deutsche Arbeiternehmer und Unternehmen, die dauerhaft in der Schweiz angesiedelt sind.

Mit solchen Problemen müssen sich trotz kurzfristiger Gewinnrückgänge Unternehmen wie Goldman auf Grund der US-Steuerreform weniger herumschlagen. Sie sind langfristig nun auf der Überholspur.

So schreiben zahlreiche US-Medien wie ABC oder Bloomberg, wonach man Goldman und andere Banken zu den größten Gewinnern des „new tax code“, also der historisch tiefgreifenden Steuerreform in den USA rechnen müsse.

Steuerreform in den USA entlastet auch Millionen Kleinunternehmen

Die Argumente hierfür liegen auf der Hand: Denn die Steuerreform soll bis 2025 die 330 Millionen US-Bürger und Millionen Klein- und Kleinstunternehmen sowie Großkonzerne von insgesamt rund 1500 US-Dollar Steuerbelastungen befreien.

Konkret sieht die neue Steuerregel für US-Unternehmen vor:

  • Wer freiwillig im Ausland geparkte Barmittel in die USA überführt, muss darauf nur 15,5 Prozent Steuern bezahlen, sofern es sich um im Ausland gehortete Milliardengewinne in Form von Bareinlagen oder andere liquide Mittel handelt. Alleine Apple sitzt beispielsweise auf über 250 Milliarden US-Dollar gehorteten Cash-Reserven.
  • Neben den 15,5% Steuern auf in die USA transferierter Barmittel werden nur 8 Prozent Steuern auf Erträge in Bereich „schwer zu verkaufender Vermögenswerte“ erhoben. Ein Witz also, wenn man bedenkt, dass ein Privatbürger, der in Deutschland Gewinne mit Aktienverkäufen macht, schon 25% Steuern darauf zu bezahlen hat.

Obama-Regierung hatte noch 35% Steuern auf Gewinne aus dem Ausland erhoben

Noch unter der Obama-Regierung waren auf solche in die USA aus Übersee transferierte Milliardengewinne 35% Steuern zu bezahlen.

Die USA hoffen mit der Steuerreform die Großkonzerne dazu zu bringen, rund 2,5 Milliarden US-Dollar in die USA zu bringen und Millionen Arbeitsplätze zu schaffen.

ABC News schreibt, wonach Brian Kleinhanzl, Analyst bei Keefe Bruyette & Woods, vorrechne:

Goldman Sachs habe Ende des Jahres 2016 rund 32,6 Milliarden Dollar an Gewinnen im Ausland geparkt. Hierauf müssten wohl im Schnitt 11 Prozent Steuern nachbezahlt werden, wenn diese Gelder in die USA gebracht würden. Das bedeutet:

Die 5 Milliarden Dollar, welche Goldman Sachs als kurzfristig zu erwartende Gewinnrückgänge in 2018 verbucht, sind wohl diese Steuern, welche auf in die USA zurückgeführte Gewinne zu bezahlen sind.

Verrechnen von Verlusten aus der Finanzkrise mit aktuellen Gewinnen wird nun schwerer

ABC News führt zudem aus, dass die 5 Milliarden US-Dollar kurzfristigen Gewinnrückgangs ebenso daraus resultieren könnten, dass US-Unternehmen wie Goldman „Verluste in der Vergangenheit“ genutzt hätten“ um zukünftige Steuern zu senken“.

Hintergrund: Goldman und andere Banken hätten während der Finanzkrise ab 2007 enorme Verluste erlitten, welche bis heute abgeschrieben werden können.

Diese Möglichkeit aktuelle Milliardengewinne mit Milliardenverlusten auf Grund der Finanzkrise bis heute verbuchen zu können, seien letztlich Vermögenswerte, so ABC.

„Korrupte Banken – Finanzkrise“, Dokumentation des ZDF, veröffentlicht von Juan Alsup, auf: YouTube vom 21.09.2016 .

Doch seien diese „Vermögenswerte“ auf Grund des neuen deutlich niedrigeren Körperschaftsteuersatzes von nur 21% jetzt erheblich weniger wert, da der Verrechnungseffekt niedriger ausfalle.

Analysten von FactSet gehen aber davon aus, dass Goldman alleine im 4. Quartal 2017 immer noch einen gigantischen Nettogewinn von 2,07 Milliarden Dollar ausweisen könnte.

US-Banken operieren künftig in einem steuerlich viel attraktiveren Umfeld

Doch sei so oder so, schreibt ABC News weiter, davon auszugehen, dass der Gewinnrückgang bei Unternehmen wie Goldman nur kurzfristiger Natur sei, da sie künftig eben in einem viel günstigeren Steuerumfeld in den USA operieren könnten:

„Finanz- und Versicherungsunternehmen hätten im nächsten Jahr einen effektiven Körperschaftsteuersatz von 26,1 Prozent gezahlt. Jetzt werden es 14,3 Prozent sein.“

Analysten schätzten zudem, dass das neue Steuergesetz den Gewinn pro Aktie von amerikanischen Großbanken 2018 um gut 13 Prozent ansteigen lasse. Dies erklärt wiederum, warum der Run auf Wertpapiere von US-Banken wie seit Monaten weiter anhält und die Aktienwerte zulegen.

Schon 2004 lockte der  US-Staat 312 Milliarden US-Dollar, welche im Ausland, vor allem Europa, erwirtschaftet worden waren, zurück in die USA

Schon einmal hatte eine republikanische Regierung im Jahr 2004, damals unter Präsident George W. Bush, ein Gesetz erlassen, welches vorübergehend die Steuern auf in die USA vor allem aus Europa transferierter und dort gebunkerter Gewinne von 35 Prozent auf 5,25 Prozent senkte.

  • Dieser massiven Steuernachlass hatte ab 2004 insgesamt 843 Unternehmen dazu gebracht, 312 Milliarden Dollar in die USA zu überführen.

Allerdings, so ABC, hätten damals viele dieser Unternehmen das in die USA überführte Geld dazu zu verwenden, um eigene Aktien zurückzukaufen. Die wenigsten Unternehmen hätten nach 2004 mehr Geschäfte getätigt oder mehr Mitarbeiter eingestellt.

Einzelnachweise

(1) Goldman Sachs expects $5 billion hit from tax overhaul in 4Q, übersetzt: Goldman Sachs geht davon aus, dass die Steuerreform im vierten Quartal einen Verlust von 5 Milliarden US-Dollar verzeichnen wird, in: ABC News vom 29. Dezember 2017.

(2) Marcus Goldman, in: Wikipedia.



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