NGO Oxfam verliert nach Sex-Vorwürfen Top-Frau Penny Lawrence

Kommentar – Die Welt verdankt der NGO Oxfam viel: Keine andere Organisation vermag es weltweit regelmäßig so deutlich den Finger in die Wunde des Kapitalismus zu legen, wie Oxfam: Wie unfair Reichtum und Armut in der Welt verteilt sind, das zeigen regelmäßige Studien von Oxfam.

Seit Tagen steht die britische Sozialorganisation aber weniger mit Themen rund um Armut oder Reichtum in den Medien, sondern mit Vorwürfen, Mitarbeiter hätten angeblich in Haiti eine „Sexorgie“ gefeiert. Was das genau sein soll, darüber liest man in den Medien nicht viel.

Doch die Auswirkungen sind für Oxfam katastrophal. Schon drohen Geldgeber in der allgemeinen Hysterie um angebliche moralische Verfehlungen, Gelder in Millionenhöhe abzuziehen.

Nun verliert die NGO Oxfam mit Penny Lawrence die Nummer zwei der Organisation. Sie tritt zurück mit den Worten, sie übernehme die „volle Verantwortung“ für die Vorfälle in Haiti, wo es zu den angeblichen Gelagen gekommen sein soll. [1] Wobei sich sowieso die Frage stellt, was daran verwerflich sein soll?

Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera schreibt, der vermeintliche Oxfam Skandal könne auch „die wirtschaftliche Solidität der Organisation untergraben“ und verweist auf Berichte in britischen Zeitungen, wonach Oxfam staatliche Zuschüsse durch die britische Regierung verlieren könne. [1f]

So habe die britische internationale Kooperationsministerin Penny Mordaunt erklärt, sie könne sich vorstellen, die 34 bis 38 Millionen Euro, welche Oxfam bislang jährlich erhalte, auch anderen Organisationen zuteilen, wenn es Oxfam nicht gelinge, die Vorwürfe zu entkräften oder zu relativieren.

So erklärte sie: „Es ist nicht genug zu sagen, man sei entsetzt von dem Verhalten. Wir müssen sicher sein, aus Fehlern zu lernen und sie als Ansporn zu nutzen, uns zu verbessern“.

Auch die Europäische Kommission wies darauf hin, dass sie derzeit prüfe, ob die Vorwürfe möglicherweise negative Effekte auf eine künftige Förderung der NGO Oxfam haben könnten.

Neben der britischen Regierung und der Europäischen Kommission gelten diverse Geldgeber der Vereinten Nationen, der Weltgesundheitsorganisation und aus dem privaten Bereich als Stützen von Oxfam.

Hintergrund Oxfam

Oxfam schildert auf seiner Webseite das eigene Tätigkeitsspektrum wie folgt:

„Oxfam ist eine globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, die mit Überzeugung, Wissen, Erfahrung und vielen Menschen leidenschaftlich für ein Ziel arbeitet: eine gerechte Welt ohne Armut.

Bei Krisen und Katastrophen retten wir Leben und helfen, Existenzen wieder aufzubauen. Doch kurzfristige Hilfe alleine reicht nicht. Deshalb arbeiten wir langfristig in über 90 Ländern mit rund 3.500 lokalen Partnern daran:

  • die Verfügbarkeit von Land und Wasser zu sichern,
  • ressourcenschonende Landwirtschaft zu betreiben,
  • demokratische Teilhabe zu ermöglichen,
  • Geschlechtergerechtigkeit zu fördern,
  • den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung zu schaffen.

Außerdem machen wir Druck bei Politik und Wirtschaft. Mit Kampagnen, Lobbyarbeit und öffentlichen Aktionen drängen wir sie zu entwicklungsgerechtem Handeln.

Oxfam steht für Oxford Committee for Famine Relief.

Gegründet wurde es 1942 in Großbritannien als Reaktion auf das Leid der Zivilbevölkerung im von Deutschland besetzten Griechenland. Seit 1995 gibt es Oxfam Deutschland. Wir finanzieren unsere Arbeit zum Teil über die 52 Oxfam Shops, in denen etwa 3.300 ehrenamtliche Mitarbeiter/innen gespendete hochwertige Secondhand-Waren verkaufen.“ [2]

Einzelnachweise

(1) GRAN BRETAGNA: Scandalo Oxfam, si dimette la numero due. A rischio 38 mln di euro , Übersetzt: „Großbritannien: Oxfam Skandal, die Nummer zwei tritt zurück. 38 Millionen Euro gefährdet“, in: Corriere della Sera vom 13. Februar 2018.

(2) The Power of People Against Poverty – Oxfam, In: Oxfam.de, Über uns vom 13. Februar 2018.

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