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Donnerstag, 19. September 2019

Premierminister-Kandidatin Andrea Leadsom gibt private Steuern nach öffentlichem Druck wohl bekannt

Immer mehr Minister werden wohl unter dem Druck der Öffentlichkeit ihre Steuerzahlungen auf der britischen Insel bekannt geben. Hier London.
Immer mehr Minister werden wohl unter dem Druck der Öffentlichkeit ihre Steuerzahlungen auf der britischen Insel bekannt geben. Hier London.

Nachdem bekannt geworden war, dass viele reiche Briten über Offshore-Firmen Steuergelder sparen, erklärte nun auch die Anwärterin auf eine Kandidatur als nächste britische Premierministerin, die Ex-Bankerin Andrea Leadsom, 53, sie wolle ihre Steuerrückzahlungen durch das Finanzamt bekannt geben. Leadsom arbeitete unter anderem für Barclays in Sydney, Australien.

Als mögliche nächste britische Premierministerin wäre Andrea Leadsom erst die zweite Frau in der britischen Geschichte nach Margaret Thatcher, die in ein solches hohes politischen Amt gewählt würde.

Mit ihrer möglichen Öffentlichkeitmachung ihrer privaten Vermögens- und Steuerverhältnissen wäre die ehemalige Energieministerin und aktuelle Finanzministerin Leadsom nach Stephen Crabb, dem britischen Minister für Arbeit und Renten, die zweite Ministerin, welche ihre bezahlten Steuern publik machen könnte. Allerdings geschieht dies nicht ganz ohne öffentlichen Druck: So hatten die britischen Medien über Monate die Steueraffären zahlreiche Offshore-Firmen diskutiert, wobei einige Politiker in den Blickwinkel der Öffentlichkeit geraten waren.

Bei Minister Stephen Crabb war bekannt geworden, wonach er auf ein Einkommen in den Monaten April 2014 bis April 2015 100.000 Britische Pfund verdient habe. Darauf zahlte er eine Steuer von 30.819 Britischen Pfund, was einem Steuersatz von rund 30% entspricht. Das Finanzamt erstattete ihm magere 255 Britische Pfund zu viel bezahlter Steuer zurück.

Die Ex-Bankerin Andrea Leadsom verfügt mit ihrem Mann über deutlich mehr Vermögen. Die Öffentlichkeit interessiert sich deshalb besonders für ihre Steuerangelegenheiten, da sie als Ex-Bankerin über ein sehr gutes Gehalt verfügte und ihre Finanzen als komplex gelten.

Neben Minister Stephen Crabb und der möglichen nächsten britischen Premierministerin Andrea Leadsom kündigten weitere Regierungsmitglieder an, ebenfalls ihre an das Finanzamt bezahlten Steuern bekannt zu geben. Darunter sind unter anderem Innenministerin Theresa May als auch der Politiker Michael Gove. Von einer „wirklich ziemlich langweiligen“ Steuererklärung sprach hingegen Duncan Smith, ohne sich bislang eindeutig zu positionieren, ob auch er seine Steuererklärung öffentlich machen wolle. Bislang hatte er sich geweigert, dieses zu tun.

Als britische Abgeordnete und Energieministerin verfügte die mögliche Premieramts-Kandidatin Leadsom über ein jährliches Regierungsgehalt von 98.740 Britischen Pfund. Bekannt ist, dass sie bereits Vorkehrungen getroffen hat, um die Erbschaftssteuer (auf englisch: inheritance tax) für ihre Kinder später zu reduzieren. Dabei hat sie eine sogenannte Buy-to-let-Firma gegründet. Dies ist auf der britischen Insel ein übliches Modell zur Reduzierung der späteren Erbschaftssteuer.

Bislang heißt es, wonach Andrea Leadsom noch zögere, ihre Finanzen komplett offenzulegen, um keinen Präzedenzfall für alle anderen Politiker zu schaffen. Leadsom räumte aber ein, jeder britische Abgeordnete könne zu ihr ins Büro kommen und einen detaillierten Blick in ihre Steuerunterlagen werfen.

Andrea Leadsom ist mit Ben Leadsom, 50, verheiratet, der ebenfalls ein Banker ist. Das von den beiden gegründete Buy-to-let-Unternehmen läuft auf den Namen Bandal Ltd und wurde im August 2003 gegründet. Andrea Leadsom und Ben haben insgesamt drei Kinder. Die Firma gehört zu 50% den Eltern, zu 50% den Kindern. Bislang ist zudem bekannt, dass Andrea Leadsom mit Ben Leadsom Hypotheken auf Immobilien unter anderem in Oxford aufgenommen haben.

Dabei arbeiteten die beiden Banker mit der Kleinwort Benson Bank Limited zusammen, einer Privatbank für vermögende Kunden. Seit Februar 2014 fungiert Andrea Leadsom als Direktorin für ihre Familien-Firma Bandal Ltd. Bald darauf war auch ein Sohn der Leadsoms kurz nach seinem 18. Geburtstag als Direktor in die Firma berufen worden, zudem ein weiterer 19-Jährige Sohn.

Bei Bandal Ltd handelt es sich um eine britische Firma, die auch in Großbritannien Steuern bezahlt. Weder gebe es, heißt, Offshore-Beziehungen, noch Steuervermeidungspläne für aktuelle Einnahmen. In der Öffentlichkeit wird das Immobilienvermögen der Leadsom-Familie, welches über die Bandal Ltd läuft, mit 1,6 Millionen Britischen Pfund angegeben. Hinzu kommt ein Barvermögen in Höhe von 440.000 Pfund. Ein Haus, welches die Familie in Slapton, Northamptonshire auf Kredit gekauft hatte, wird mit einem damaligen Wert von 1,3 Millionen Britischen Pfund beziffert. Die Kredite sollen mittlerweile größtenteils zurückbezahlt worden sein.



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