Skip to main content
Freitag, 12. Juli 2019

285.000 Rentnern wird in Griechenland Grundsicherung-Zuschuss EKAS weiter gekürzt

Die Sanierung des griechischen Staatshaushaltes schreitet weiter voran, auch wenn es für die Betroffenen drastische Einschnitte bedeutet.

So erhalten ab 1. Januar 2018 insgesamt 285.000 Rentner 74% weniger Rentenzuschüsse im Rahmen der Grundsicherung-Aufstockung EKAS (ΕΚΑΣ).

EKAS steht für den „sozialen Solidarität Grundsicherung-Zuschuss“.

Die Kürzung des Renten- und Einkommenszuschusses EKAS bedeutet effektiv, dass der Staat die Finanzmittel für EKAS von derzeit jährlich 320 Millionen Euro auf nur noch 82 Millionen Euro radikal zusammenstreicht. Dies entspricht einer Kürzung von 238 Millionen Euro, also 74 Prozent. (1)

EKAS ist vergleichbar mit der Hartz-IV-Aufstockung im Rahmen der deutschen Grundsicherung, welche deutsche Rentner in der Regel ab dem 67. Lebensjahr beantragen können.

In Griechenland gilt die Grenze von 65 Jahren, ab welcher Rentner oder ältere Geringverdiener den monatlichen EKAS-Zuschuss beantragen dürfen. Invalidenrentner müssen die Altersgrenze nicht erreichen.

Auch für Kinder, die aufgrund des Todes ihres Elternteils eine Rente erhalten, ist keine Altersgrenze erforderlich.

In guten Zeiten entsprach EKAS ungefähr maximal rund der Hälfte des deutschen HartzIV-Satzes.

Dem sowieso schon recht niedrigen EKAS-Zuschuss schieben zahlreiche Analysten zu, Bestandteil des Finanzproblems in Griechenland zu sein. Deshalb wird das Rentensystem von der Athener Zentralregierung seit Jahren auf den Kopf gestellt.

Ab 2018 soll EKAS nun so aussehen:

  • Das jährliche Nettoeinkommen aus Renten (Haupt-, Neben- und Hilfskriterien), Gehältern, Löhnen und sonstigen Vergütungen, die einem Arbeitnehmer gewährt werden, dürfen ab 2018 den Betrag von 7972 Euro nicht übersteigen, also 664,33 Euro brutto monatlich. (2)
  • Die Einkommensschwelle, ab welcher EKAS beantragt werden darf, wird zudem auf 7022 Euro jährlich festgelegt, also auf 585,17 Euro brutto monatlich. (3)

Der EKAS-Zuschuss vor 10 Jahren

Noch vor 10 Jahren, 2008, waren die Kriterien für einen EKAS-Einkommens- bzw. Rentenzuschuss die folgenden: (3)

  1. Wer ab dem 60. Lebensjahr jährlich unter, beziehungsweise maximal 7.058,41 Euro verdiente oder bereits durch bestehenden Renten zur Verfügung hatte (also 588 Euro monatlich), hatte Anspruch auf 230 Euro EKAS monatlich.
  2. Wer ab dem 60. Lebensjahr jährlich unter, beziehungsweise maximal 7.335,25 Euro verdiente oder bereits durch bestehenden Renten zur Verfügung hatte (also 611 Euro monatlich), hatte Anspruch auf 172,50 Euro EKAS monatlich.
  3. Wer ab dem 60. Lebensjahr jährlich unter, beziehungsweise maximal 7.519.74 Euro verdiente oder bereits durch bestehenden Renten zur Verfügung hatte (also 626,65 Euro monatlich), hatte Anspruch auf 115 Euro EKAS monatlich.
  4. Wer ab dem 60. Lebensjahr jährlich unter, beziehungsweise maximal 7.750,42 Euro verdiente oder bereits durch bestehenden Renten zur Verfügung hatte (also 645,87 Euro monatlich), hatte Anspruch auf 57,50 Euro EKAS monatlich.
  5. Das gesamte zu versteuernde Jahreseinkommen der Familie durfte zudem nicht 14.070,73 Euro übersteigen

(Für weitere Details bitte Fußnote 3 beachten!).

Diese Zusatzrenten, welche Altersarmut mildern sollten, wurden zwar in den vergangenen Jahren bereits gekürzt, doch ab 2018 geht es nun weiter bergab:

So liegt der künftige Rentenzuschuss, beziehungsweise Einkommenszuschuss für Senioren ab 65 Jahren nur noch bei 35 bis maximal 115 Euro monatlich. (3)

Einzelnachweise

(1) Τέλος το ΕΚΑΣ για χιλιάδες συνταξιούχους – Στα 35 ευρώ πλέον το επίδομα, übersetzt: Endlich das EKAS für tausende Rentner – bei 35 Euro plus die Zulage, in: newsbomb.gr vom 11. Dezember 2017.

(2) Έρχεται διπλή «σφαγή» για το ΕΚΑΣ: 50.000 θα το χάσουν, 185.000 θα πάρουν έως και 35 ευρώ, übersetzt, Es gibt ein doppeltes „Schlachten“ für EKAS: 50.000 werden es verlieren, 185.000 werden bis zu 35 Euro kosten, in: protothema.gr vom 11. Dezember 2017.

(3) ΕΚΑΣ 2008, in:oaee.gr.

Weitere Hintergründe

(1) Griechenlands Gläubiger fordern weitere Rentenkürzungen, von: Oeconomicus, in: Blogoconomicus.wordpress.com, Blog von Wolfgang Eschenbacher, Beitrag vom 6. Juli 2016.



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Einbahnstraße: Wer arm ist in den USA ist froh über einen Mindestlohn.
Samstag, 29. Dezember 2018

Armut -

Mindestlohn USA: Missouri hebt auf 7,55 Euro die Stunde an

Nicht nur in Deutschland gibt es einen Mindestlohn, sondern auch in den USA. Hier teilte nun der Bundesstaat Missouri mit, der Mindestlohn pro Stunde werde auf 7,55 Euro erhöht. Das bedeutet ein Anstiegt von 60 Dollar-Cent, beziehungsweise 0,53 Euro-Cent. Auf einen Wochenlohn hoch gerechnet, verdienen ab Januar 2019 Bewohner in Missouri entsprechend mindestens 302 Euro im Rahmen einer 40-Stunden-Woche. Beziehungsweise einen monatlichen Mindestlohn von 1.208 Euro. Zum Vergleich: Der Mindestlohn […]

Klassische Enkeltrickbetrüger sind meist junge Frauen oder Männer, die mit Charme Rentner und Einsame mit Lügenmärchen geschickt über den Tisch ziehen und ausräubern.
Donnerstag, 22. November 2018

Rentner -

Enkeltrickbetrügerin ergaunert mit ‚Notar‘ 70.000 Euro in der Schweiz

Kreuzlingen ist ein kleines beschauliches Städtchen in der Schweiz. Es grenzt nicht nur an den Bodensee, sondern auch an die deutsche Nachbarstadt Konstanz, die wiederum für eine komplett mittelalterlich erhaltene Innenstadt berühmt ist.  Konstanz ist auch dafür berühmt, dass vor 600 Jahren auf dem Konstanzer Konzil mit viel Tamtam ein Papst gewählt worden war. Das beeindruckende Konzil-Gebäude steht noch heute in bester Lage direkt am Bodensee. Doch die Beschaulichkeit der […]

Ulrich Leitermann, Vorsitzender der Vorstände der SIGNAL IDUNA Gruppe. (Foto: SIGNAL IDUNA, Presse)
Montag, 25. Juni 2018

Versicherungen -

Signal Iduna will für Betriebliche Altersvorsorge Gesundheitsfragen-Weitergabe haben

Ein Kunde der Signal Iduna (Signal Iduna Lebensversicherung a. G.) traute Mitte 2018 seinen Augen nicht. Jahrelang hatte er seine staatlich steuerlich geförderte Betriebliche Altersvorsorge über den Versicherungsriesen laufen lassen und Dutzende Tausend Euro einbezahlt. Doch ein Jobwechsel macht nun eine Einzahlpause notwendig, weshalb er von der Versicherung einen entsprechenden Brief und Fragebogen zugesandt bekommen hatte. In dem Brief, wohl bewusst im öden 80er Jahr-Schreibmaschinenstil gehalten ganz nach dem Motto: […]

Hartz IV gibt es in der Schweiz nicht, dafür wird jetzt ein Grundeinkommen getestet. Hier der Bodensee auf der Schweizer Seite. (Bild: pixbabay.com | CC0 Creative Commons)
Samstag, 09. Juni 2018

Sozialpolitik -

Grundeinkommen in der Schweiz könnte im Dorf 34 Mio. Euro kosten

Eine Schweizer Filmemacherin hatte die Idee, anhand eines Dorfes einmal zu testen, ob das immer wieder diskutierte nahezu bedingungslose Grundeinkommen für Bürger eingeführt werden könnte. Während es das Thema in Deutschland kaum aus den Talkshows in die Realpolitik schaffte, sieht das in dem Alpenland Schweiz anders aus. Nach langer Suche fand nämlich Initiatorin Rebecca Panian (39) ein kleines Dorf bei Zürich, und zwar Rheinau. Dort soll jetzt ein Jahr lang […]

Bild: pixabay.com | CC0 Creative Commons)
Auch in der Schweiz heißt es für einige Rentner: Gürtel enger schnallen. (
Sonntag, 03. Juni 2018

Renten -

Schweizer Verkehrsverbund SBB senkt Renten-Zuschuss auf 4730 Franken

Beim Thema Renten in der Schweiz denken viele an paradiesische Zustände. Dies liegt an einem Dreisäulenmodell. Es reduziert die Altersvorsorge-Risiken für Angestellte deutlich mehr als beispielsweise im Nachbarland Deutschland. Säule eins der Rentenvorsorge ist in der Schweiz die obligatorische Renten-Pflichtversicherung. Säule 2 ist ebenfalls für Schweizer Angestellte Pflicht, nur mit einem Unterschied: Hier bezuschusst der Arbeitgeber 50% auf die vom Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschriebenen Rentenvorsorge-Einzahlungen. Wie groß die Unterschiede beim Thema […]