Skip to main content
Dienstag, 19. Juni 2018

Durchschnittseinkommen in Bulgarien von 400 Euro langt nicht für die Ausgaben

Bulgarien ist neben Rumänien das mit Abstand ärmste Land der EU. Deshalb kommt es auch dort, wie in Ungarn, immer wieder zu besonders lautstarken Protesten gegen Flüchtlinge aus Syrien oder Afrika. Wer in Bulgarien als Single lebt, kann noch nicht einmal die täglichen Lebenshaltungskosten mit seinem Durchschnittsgehalt begleichen. Die Armut ist auch durch eine massive Korruption bedingt. 

Anzeige

Nach einer neuen Statistik habe das durchschnittliche Brutto-Monatseinkommen in Bulgarien im Jahr 2016 lediglich bei 781 Bulgarischen Leva (BGN) gelegen. Umgerechnet sind das 399,33 Euro, also gut 400 Euro. [1]

Das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen ist damit in Bulgarien sogar doppelt so niedrig, wie es festangestellte Hotelmitarbeiter auf der Dominikanischen Republik (DomRep) beispielsweise in Punta Cana erhalten. Dies recherchierte steuerratschlag.eu auf der beliebten tropischen Urlaubsinsel.

So erhalten festangestellte Hotelmitarbeiter auf der Dominikanischen Republik, die neben Spanisch wenigstens noch Englisch oder Deutsch können, zumindest beispielsweise an den Rezeptionen der großen Hotels im Schnitt gut 1000 US-Dollar, umgerechnet 800 Euro im Monat.

Allerdings ist die Hürde zu so einem Gehalt auf der DomRep eben das Beherrschen einer Fremdsprache, was viele nicht können. Deshalb sind Besuche von Sprachschulen (rund 400 Euro für einen fünfmonatigen Kurs) unerlässlich.

Deutlich niedriger als die Durchschnittseinkommen liegen in Bulgarien sogar die monatlich zur Verfügung stehenden Renten. So hätten die Renten 2016 bei lediglich 380 Bulgarischen Leva gelegen. Das sind umgerechnet 194,29 Euro rechnet die aktuelle Statistik weiter vor. Dies sei ein Plus von circa 4 Euro im Vergleich zum Vorjahr, also ein Plus von 2,3%. [1f]

Stellt man das Einkommen den monatlichen durchschnittlichen Gesamtkosten der Verbraucher gegenüber, bleibt die Bilanz bei so niedrigen Einkommen in Bulgarien nachvollziehbarer Weise negativ:

So hätten Bulgaren im Schnitt monatlich Mindestausgaben von 1.368 Bulgarischen Leva. Umgerechnet sind das 699,46 Euro, also gut 700 Euro. Dies sei ein Anstieg der Lebenshaltungskosten, beziehungsweise der Inflation, von 13,2%, bilanziert die aktuelle Statistik. [1ff]

Videoverweis: „Erneut Proteste gegen Armut in Bulgarien“, von Euronews vom 24. Februar 2013.

Das Pro-Kopf-Einkommen liegt in Bulgarien im Schnitt aber nur bei 400 Euro. Dies macht ein Defizit zwischen monatlichen Einnahmen und Ausgaben bei der arbeitenden Bevölkerung von 300 Euro. Bei Rentnern liegt die monatliche durchschnittliche Unterfinanzierung sogar bei 400 Euro.

Ein Drittel der Monatsausgaben, 31%, gingen in Bulgarien für Nahrungsmittel drauf (220 Euro). Es folgten die Ausgaben für Wohnkosten (Wasser, Strom, Heizung, Mobiliar), welche im Schnitt bei 130 Euro pro Kopf lägen (18,8%). Es folgen monatliche Ausgaben für Steuern und Sozialabgaben (85 Euro; 12,2%) sowie Ausgaben für Verkehr und Kommunikation (75 Euro; 10,5%). [1ff]

Das heißt zudem: Krank werden ist in Bulgarien ein Luxus, den sich der Durchschnittsbulgare gar nicht leisten kann. Auch eine bessere Gestaltung der Freizeit, große Reisen oder Versicherungen sind für den Durchschnittsbulgaren nicht finanzierbar.

Anzeige

Einzelnachweise

(1) Остават ни по едни 81 лева, като отделим за храна, сметки, данъци, Übersetzt „Wir bleiben bei 81 Lewa und zahlen für Essen, Rechnungen, Steuern …“, von Veselina Yordanova, In: Dens vom 15. Februar 2018. Abgerufen am 16. Februar 2018. https://www.dnes.bg/obshtestvo/2018/02/15/ostavat-ni-po-edni-81-leva-kato-otdelim-za-hrana-smetki-danyci.368148

(2) Durchschnittliches Einkommen weltweit, In: Laenderdaten.info.

Anzeige



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Hartz IV gibt es in der Schweiz nicht, dafür wird jetzt ein Grundeinkommen getestet. Hier der Bodensee auf der Schweizer Seite. (Bild: pixbabay.com | CC0 Creative Commons)
Samstag, 09. Juni 2018

Sozialpolitik -

Grundeinkommen in der Schweiz könnte im Dorf 34 Mio. Euro kosten

Eine Schweizer Filmemacherin hatte die Idee, anhand eines Dorfes einmal zu testen, ob das immer wieder diskutierte nahezu bedingungslose Grundeinkommen für Bürger eingeführt werden könnte. Während es das Thema in Deutschland kaum aus den Talkshows in die Realpolitik schaffte, sieht das in dem Alpenland Schweiz anders aus. Nach langer Suche fand nämlich Initiatorin Rebecca Panian (39) ein kleines Dorf bei Zürich, und zwar Rheinau. Dort soll jetzt ein Jahr lang […]

Bild: pixabay.com | CC0 Creative Commons)
Auch in der Schweiz heißt es für einige Rentner: Gürtel enger schnallen. (
Sonntag, 03. Juni 2018

Renten -

Schweizer Verkehrsverbund SBB senkt Renten-Zuschuss auf 4730 Franken

Beim Thema Renten in der Schweiz denken viele an paradiesische Zustände. Dies liegt an einem Dreisäulenmodell. Es reduziert die Altersvorsorge-Risiken für Angestellte deutlich mehr als beispielsweise im Nachbarland Deutschland. Säule eins der Rentenvorsorge ist in der Schweiz die obligatorische Renten-Pflichtversicherung. Säule 2 ist ebenfalls für Schweizer Angestellte Pflicht, nur mit einem Unterschied: Hier bezuschusst der Arbeitgeber 50% auf die vom Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschriebenen Rentenvorsorge-Einzahlungen. Wie groß die Unterschiede beim Thema […]

Sonntag, 20. Mai 2018

Deutsche Postbank AG dampft Service und und schließt jede 10. Filiale – Achtung vor freien Handelsvertretern in den Filialen

Kunden der Postbank müssen sich darauf einstellen, dass sie möglicherweise einen weiteren Weg zu ihrer Filiale haben, als bislang. So soll bis Ende 2018 jede 10. der rund 1000 Filialen in Deutschland und weiteren Ländern geschlossen werden. Absolut bedeutet dies, dass rund 100 Filialen dicht machen. „Am Ende werden es deutlich über 100 in diesem Jahr sein“, wird Postbank-Vorstandsmitglied Susanne Klöß von der Sonntagszeitung „Bild am Sonntag“ (BamS) zitiert, welche […]

Sonntag, 13. Mai 2018

Steigt Bitcoin-Kurs auf 30.000 Euro?

Kommentar – Wer in die virtuelle Währung Bitcoin investiert hat, entweder aus reiner hochriskanter Spekulation, oder um über Bitcoin-Anteile andere Glücks-Coins zu kaufen, brauchte in den vergangenen fünf Monaten Nerven wie Drahtseile. Grund: Der Kurs dümpelt seit Jahresanfang unter 10.000 Euro herum und hat Ausschläge die leicht bis zu 30 Prozent innerhalb weniger Tage umfassen. Der niedrigste Stand bewegte sich 2018 bei um die 5000 Euro pro Bitcoin. Noch vor […]

Donnerstag, 19. April 2018

Total kauft Direct Energie um regenerative Energien zu stärken

Der französische Energiekonzern Total kauft sich den drittgrößten Anbieter alternativer Energien in Frankreich und zwar Direct Energie. Direct Energie schaffte es in nur wenigen Jahren mit dem Verkauf alternativer Energien ganz nach vorne im Energiemarkt, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien. Total erhofft sich durch den Zukauf eine Stärkung im regenerativen Energiesektor. Patrick Pouyanné der Chef von Total erklärte, man wolle zwar im Ölgeschäft bleiben, aber tendenziell weg […]

Freitag, 13. April 2018

Karl-Erivan Haub der leichtsinnige Obi-Milliardär bei Zermatt in 3000 Meter Höhe verschollen

Kommentar – Der deutsche Obi-Erbe und Familienvater Karl-Erivan Haub ist ein sportlicher Mann: Schlank, gutaussehend, drahtig. Was die Öffentlichkeit aber eher nicht wusste ist, wie stark Sport sein Leben prägte, durchaus auch Risikosport. Fakt ist: Seit Tagen ist er verschollen am eisigen unwirtlichen Riesenberg Matterhorn in der Schweiz. Dort soll Haub, 58, Samstagmorgen die Bergstation gegen 8.30 Uhr betreten haben, um mit der Klein-Matterhorn-Bahn auf circa 3000 Metern Höhe zu […]