Skip to main content
Dienstag, 19. Juni 2018

Kolumbien: Terpel kauft ExxonMobil-Geschäftszweig unter Auflagen der SIC

Das 1968 gegründete kolumbianische Erdölunternehmen Terpel, das auch Tankstellen betreibt, bekam mit der Resolution 9915 den Kauf des lokalen Treibstoffgeschäfts des US-Superkonzerns ExxonMobil unter Auflagen genehmigt. Die Genehmigung wurde durch die Oberaufsicht der Industrie und des Handels in Kolumbien, der SIC, ausgestellt. SIC steht für Superintendencia de Industria y Comercio. [1]

Anzeige

Die Übernahme von Teilen des Erdölgeschäfts von ExxonMobil durch Terpel wird in Kolumbien kritisch gesehen. Grund:

Terpel [2] hat in dem Land eine beherrschende Stellung und die Kritiker fürchten um den freien Wettbewerb im Erdölgeschäft und Benzin-Verkauf.

Vor der Genehmigung war der Verkauf des kolumbianischen ExxonMobil-Treibstoffgeschäfts an Terpel deshalb bereits einmal untersagt worden.

Terpel finanziert die Übernahme mit einem Überbrückungskredit in Höhe von 1,72 Milliarden kolumbianischen Pesos, umgerechnet 486 Millionen Euro. Der Kredit wurde durch diverse kolumbianische Banken gewährt.

Konkret erhält Terpel mit Abschluss der Übernahme die „nachgelagerten Operationen von ExxonMobil in Kolumbien, Peru und Ecuador“.

Allerdings gibt es Auflagen für die Übernahme besonders im Hinblick auf eine mögliche Verlängerung der Ölverwertung hin zu Treibstoff, also Benzin:

„Um dem Auftrag nachzukommen, dass Terpel nie das Treibstoffgeschäft von ExxonMobil erwerben solle, hat das Kartellamt zugestimmt, dass dieser Geschäftsbereich sofort und vorläufig an einen Dritten übertragen wird, der für den anschließenden Verkauf des Treibstoffgeschäfts von ExxonMobil verantwortlich sein wird“, erklärte die Regulierungsbehörde in einer Stellungnahme.

Das bedeutet: Die Förderung, der Vertrieb beispielsweise an Tankstellen und der anschließende Verkauf an Endkunden sollen getrennt werden. Die Übernahme sei, so die SIC, in den nächsten drei Monaten rechtlich abzuschließen. Die Regulierungsbehörde von Kolumbien kommentierte den Verkauf zudem mit den Worten:

„Mit der Entscheidung des Kartellamts ist gewährleistet, dass der Wettbewerb sowohl in der Wertschöpfungskette des Vertriebs flüssiger Kraftstoffe aus Öl als auch auf den verschiedenen beteiligten Schmierstoffmärkten gewahrt bleibt.“ [1f]

Eine weitere Auflage sei, dass Terpel Teile seiner Produktionsstätten in Kolumbien sowie die Marken Máxter und Máxter Progresa verkaufen müsse und zwar in einem Zeitfenster von neun Monaten, schreibt Portafolio.

Weiter heißt es: Terpel müsse zudem „die Exklusivität für 4 Jahre bei der Verteilung und Auslage von Schmierstoffen an Tankstellen, die mit ihrem Logo gekennzeichnet sind, aufheben“. [1ff]

Anzeige

Terpel scheint mit diesen Vorgaben wiederum nicht ganz glücklich zu sein und erklärte lediglich, man habe bislang keine offizielle Mitteilung möglicher Auflagen bezüglich des Kaufgeschäfts von ExxonMobil. Deshalb könne man sich gegenwerktätig dazu nicht äußern, führt das kolumbianische Nachrichtenportal Portafolio weiter aus.

Neben Terpel hat in Kolumbien die chilenischen Empresas Copec eine starke Stellung. Sie unterhält Niederlassungen in Kolumbien, als auch in Panama, Chile, Ecuador oder der Dominikanischen Republik.

Das Nachbarland von Kolumbien, das sozialistische arme Land Venezuela, legt demnächst als erstes Land der Welt eine eigene Kryptowährung auf, welche mit über 200 Milliarden Euro Ölrücklagen gedeckt ist und zwar den Petro.

Die etwas wirre Stellungnahme der SIC zur Übernahme eines ExxonMobil-Geschäftsbereichs durch Terpel im Wortlaut [3]

„Die Aufsichtsbehörde für Industrie und Handel bestätigte durch Beschluss Nr. 9915 vom 15. Februar 2018 ihre Entscheidung, sich gegen den Kauf des Brennstoffgeschäfts von EXXONMOBIL COLOMBIA durch TERPEL zu wehren.

Um dem Auftrag nachzukommen, dass TERPEL niemals das Brennstoffgeschäft von EXXONMOBIL erwirbt, hat die Superindustrie zugelassen, dass diese unverzüglich und vorläufig an einen Dritten (Investmentfonds oder autonomes Kapital) übertragen wird, der für den nachfolgenden Verkauf verantwortlich ist vom Brennstoffgeschäft von EXXONMOBIL zu einem definitiven Käufer innerhalb einer nicht verlängerbaren Frist von höchstens neun (9) Monaten.

Nach den von der Superindustria auferlegten Bedingungen der Endabnehmer des heutigen Kraftstoffgeschäftes von EXXONMOBIL in Kolumbien muss Terpel über ausreichende technische, administrative und finanzielle Leistungsfähigkeit verfügen, um sicherzustellen, dass es zum Nutzen aller Verbraucher effektiv auf dem Markt Konkurrenz gibt.

Der Endkäufer-Wettbewerber kann jeder der derzeit im Land tätigen Betreiber (außer TERPEL) oder ein potenzieller ausländischer Wettbewerber sein, der die technische, administrative und finanzielle Kapazität erfüllt.

Die Superndustria auferlegt TERPEL auch für einen Zeitraum von vier (4) Jahren, die Verpflichtung nicht anzufechten oder an Fahrzeugen flüssigen Brennstoffen mit EDS zu liefern…

EXXONMOBIL wird weiterhin in Kolumbien am „Upstream“-Segment der Brennstoffwertschöpfungskette (Exploration von Kohlenwasserstoffen) teilnehmen. Ebenso behält sich EXXONMOBIL das Recht vor, seine direkten Kunden in Kolumbien (hauptsächlich multinationale Konzerne) für Schmierstoffe für die nächsten zwanzig (20) Jahre zu beliefern.

Ziel der Entscheidung:

Mit der Entscheidung der Superindustrie ist gewährleistet, dass der Wettbewerb sowohl in der Wertschöpfungskette des Vertriebs flüssiger Fahrzeugkraftstoffe aus Öl als auch auf den verschiedenen beteiligten Schmierstoffmärkten (Diesel, Industrie, Automobil, Kraftfahrzeuggetriebe, Motorräder und Fette) gewährleistet ist.

Kein rechtlicher Einspruch möglich

Gegen die Entscheidung der Industrie- und Handelsaufsichtsbehörde, die den Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens ablehnte, ist KEIN anderes Rechtsmittel anwendbar.

Oberaufsicht über Industrie und Handel,

Wir schätzen, was Sie schätzen!“

Einzelnachweise

(1) Las condiciones que puso Superindustria en el negocio de Terpel y ExxonMobil, Übersetzt: „Die Bedingungen, welche die Superindustria dem Geschäft von Terpel und ExxonMobil auferlegt hat“, In: Portafolio Online vom 16. Februar 2018. Abgerufen am 17. Februar 2018.

(2) Terpel, In: Wikipedia.

(3) Superindustria ratifica OBJECIÓN a la compra del negocio de combustibles de EXXONMOBIL COLOMBIA por parte de TERPEL y CONDICIONA la compra del negocio de lubricantes, Übersetzt: „SuperIndustria ratifiziert Einwand gegen Geschäft Kauf des Kraftstoffgeschäts von EXXONMOBIL KOLUMBIEN durch TERPEL und nennt die Bedingungen für den Kauf des Schmierstoffgeschäfts“, Erklärung der SIC, Superintendencia de Industria y Comercio vom 16. Februar 2018. Abgerufen am 17. Februar 2018.

Webseitenverweise

Terpel Original-Webseite.

Anzeige



Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*


Das könnte Sie interessieren

Sonntag, 20. Mai 2018

Deutsche Postbank AG dampft Service und und schließt jede 10. Filiale – Achtung vor freien Handelsvertretern in den Filialen

Kunden der Postbank müssen sich darauf einstellen, dass sie möglicherweise einen weiteren Weg zu ihrer Filiale haben, als bislang. So soll bis Ende 2018 jede 10. der rund 1000 Filialen in Deutschland und weiteren Ländern geschlossen werden. Absolut bedeutet dies, dass rund 100 Filialen dicht machen. „Am Ende werden es deutlich über 100 in diesem Jahr sein“, wird Postbank-Vorstandsmitglied Susanne Klöß von der Sonntagszeitung „Bild am Sonntag“ (BamS) zitiert, welche […]

Sonntag, 13. Mai 2018

Steigt Bitcoin-Kurs auf 30.000 Euro?

Kommentar – Wer in die virtuelle Währung Bitcoin investiert hat, entweder aus reiner hochriskanter Spekulation, oder um über Bitcoin-Anteile andere Glücks-Coins zu kaufen, brauchte in den vergangenen fünf Monaten Nerven wie Drahtseile. Grund: Der Kurs dümpelt seit Jahresanfang unter 10.000 Euro herum und hat Ausschläge die leicht bis zu 30 Prozent innerhalb weniger Tage umfassen. Der niedrigste Stand bewegte sich 2018 bei um die 5000 Euro pro Bitcoin. Noch vor […]

Donnerstag, 19. April 2018

Total kauft Direct Energie um regenerative Energien zu stärken

Der französische Energiekonzern Total kauft sich den drittgrößten Anbieter alternativer Energien in Frankreich und zwar Direct Energie. Direct Energie schaffte es in nur wenigen Jahren mit dem Verkauf alternativer Energien ganz nach vorne im Energiemarkt, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Belgien. Total erhofft sich durch den Zukauf eine Stärkung im regenerativen Energiesektor. Patrick Pouyanné der Chef von Total erklärte, man wolle zwar im Ölgeschäft bleiben, aber tendenziell weg […]

Freitag, 13. April 2018

Karl-Erivan Haub der leichtsinnige Obi-Milliardär bei Zermatt in 3000 Meter Höhe verschollen

Kommentar – Der deutsche Obi-Erbe und Familienvater Karl-Erivan Haub ist ein sportlicher Mann: Schlank, gutaussehend, drahtig. Was die Öffentlichkeit aber eher nicht wusste ist, wie stark Sport sein Leben prägte, durchaus auch Risikosport. Fakt ist: Seit Tagen ist er verschollen am eisigen unwirtlichen Riesenberg Matterhorn in der Schweiz. Dort soll Haub, 58, Samstagmorgen die Bergstation gegen 8.30 Uhr betreten haben, um mit der Klein-Matterhorn-Bahn auf circa 3000 Metern Höhe zu […]

Montag, 19. März 2018

Apple soll an MicroLED bauen und OLED mittelfristig eventuell ablösen

Apple Inc. – In den vergangenen Jahren wurde das Leistungsspektrum von LEDs immer weiter ausgebaut. Gab es vor rund 17 Jahren beispielsweise überwiegend blaue LEDs, kann mittlerweile das komplette Farbspektrum bedient werden. Ähnlich positiv hat sich die Vielfalt der Leuchtmittel entwickelt hinsichtlich ihrer Größe, Leuchtkraft und Energieeffizienz: Sie werden tendenziell immer kleiner und flacher, geben mehr Licht ab und verbrauchen obendrein weniger Energie. Jetzt gibt es Berichte aus dem Umfeld […]

Montag, 12. März 2018

SPD übergibt Olaf Scholz Finanzministerium

Neuer deutscher Bundesfinanzminister wird der SPD-Mann und derzeitige Hamburger Oberbürgermeister Olaf Scholz. Er ist bislang allerdings nicht groß als Finanz-Schwergewicht aufgefallen. Dennoch tönt die SPD: „Olaf Scholz gehört zu den profiliertesten Finanzpolitikern Deutschlands. Zuletzt unter Beweis gestellt bei den schwierigen Verhandlungen zum Länderfinanzausgleich.“ Das erklärte die Fraktionschefin der SPD und designierte Parteichefin Andrea Nahles im Willy-Brandt-Haus in Berlin, der SPD-Parteizentrale. Scholz übernimmt den Job von Wolfgang Schäuble (CDU), der sich als […]