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Sonntag, 09. Dezember 2018

Energie -

Vom sinkenden Strompreis in EU kassiert Staat bis 70 Prozent

Grafik: Eurostat.
Grafik: Eurostat.

Deutschlands Bürger leiden seit Jahren auf Grund der Energiewende hin zu einem höheren Anteil teurerer regenerativen Energien unter steigenden Strompreisen. Im Durchschnitt der Europäischen Union (EU) seien allerdings die Strompreise tendenziell zumindest 2017 etwas zurück gegangen. Das teilte die in Luxemburg ansässige europäische Statistikbehörde EUROSTAT über seinen Dienst Eurostat Media Support mit.

So errechnete Eurostat, wonach die Strompreise (electricity prices) für Haushalte zwischen dem zweiten Halbjahr 2016 und dem zweiten Halbjahr 2017 um durchschnittlich -0,2% leicht gesunken seien. So lägen die Kosten für Strom derzeit im EU-Schnitt bei lediglich rund 20,5 Euro pro 100 kWh.

Allerdings: Die Deutschen müssen für ihren Strom aus der Steckdose fast ein Drittel mehr bezahlen als die sonstigen EU-Verbraucher, nämlich rund 30 Euro pro 100 kWh. Das bedeutet: Fast nirgends in Europa ist es so teuer, eine Elektroheizung anzuschmeißen (am besten gar nicht), Essen aufzuwärmen, den Computer laufen zu lassen oder die Lichter brennen zu lassen.

Am billigsten ist Strom in Bulgarien (9,80 Euro pro 100 kWh), am teuersten in Dänemark (30,10 Euro) oder eben in Deutschland zwischen Aachen an der Westgrenze und Görlitz an der Ostgrenze (30,50 Euro). Allerdings müssen Stromrechnungen in den EU-Ländern natürlich immer auch ins Verhältnis zur Kaufkraft seiner Bürger gesetzt werden, sollen sie statistisch einigermaßen ordentlich eingeordnet werden. Deshalb gibt es den europäischen staatlich festgelegten Kaufkraftstandard, kurz KKS, der genau das versucht.

Eurostat schreibt dazu:

„In Kaufkraftstandards (KKS), einer einheitlichen Kunstwährung, welche generelle Preisunterschiede zwischen verschiedenen Ländern ausgleicht, zeigt sich, dass im Vergleich zu den Kosten für andere Waren und Dienstleistungen die Strompreise für Haushalte in Finnland (13,0 KKS pro 100 kWh), Luxemburg (13,4) und den Niederlanden (14,0) am niedrigsten waren und für Haushalte in Deutschland (28,8), Portugal (28,0), Belgien (26,4), Rumänien (26,0) und Polen (25,4) am höchsten.“

Groß seien die EU-Unterschiede auch beim Steueranteil sowie den zu zahlenden staatlichen Zwangs-Gebühren bei der Stromrechnung teilte Eurostat mit. So sei der staatlich verordnete Kostenblock an der Stromrechnung welchen Verbraucher alleine für Steuern und Abgaben bezahlen müssten in Dänemark mit 69% am höchsten, gefolgt von Deutschland mit 55%.

Das bedeutet: Erhält ein Haushalt in Deutschland beispielsweise eine Stromrechnung von 60 Euro pro Monat, muss der Energieversorger über 30 Euro, welche er von seinem Kunden erhält, an den Staat weiterreichen.

Heißt im Umkehrschluss: Letztlich verbleibt den Energieversorgern, welche Strom auf eigenen Homepages verkaufen sowie oftmals ganz wesentlich auf Preisvergleichsportalen wie Check24, Verivox, Billiger.de oder Preisvergleich.de, nur rund 10 Prozent vom Rechnungspreis.

In diesem schmalen Feld also können die über 1000 Energieversorger in Deutschland Preise für Strom selbst gestalten. Das relativiert so manche Klage von angeblichen Abzockern unter den Energieversorgungs-Unternehmen.

90% der Stromrechnung sind letztlich Vorgaben durch den Staat oder der örtlichen Stadtwerke und sonstigen Stromproduzenten, welche ihren Strom an die Stromversorger weiterverkaufen.

Neben Dänemark und Deutschland ist der Anteil an Steuern oder Abgaben für Strom im von hoher Arbeitslosigkeit geplagten Land Portugal mit 52% sehr hoch. Am wenigsten hält der Staat auf der kleinen südlich von Sizilien liegenden selbständigen Insel Malta die Hand für Strom auf: Nur 5% der vom Endkunden an die Stromversorger überwiesenen Rechnungsbeträge müssen die Energieversorger an den Staat weiterreichen. Im EU-Durchschnitt waren es 40%, wobei Deutschland, Dänemark oder Portugal den Preisschnitt deutlich nach oben treiben.

Klar im Vorteil ist, wessen Haus oder Wohnung in Deutschland durch eine Gaszentralheizung erwärmt wird. So schreibt Eurostat:

„Die Gaspreise für Haushalte sanken zwischen dem zweiten Halbjahr 2016 und dem zweiten Halbjahr 2017 in der EU um durchschnittlich 0,5% und lagen bei 6,3 Euro pro 100 kWh. In den Mitgliedstaaten lagen die Gaspreise für Haushalte in der zweiten Hälfte 2017 zwischen rund 3 Euro pro 100 kWh in Rumänien und knapp 9 Euro pro 100 kWh in Dänemark und 11 Euro pro 100 kWh in Schweden. In Deutschland lagen die Gaspreise bei 6,09 Euro pro 100 kWh.“

Allerdings verdient nicht nur beim Strom der Staat kräftig über Abgaben und Steuern mit, sondern ebenso beim Gas. Es wird in der EU zu einem Großteil günstig in Russland eingekauft. Dabei ist wiederum zu beachten: Ins Gasgeschäft mit den Europäern würde auch gerne US-Präsident Donald Trump einstigen. Er möchte, das wurde nun im Zuge der US-Sanktionspolitik gegen Europa und China bekannt, den Europäern gerne sein teureres Flüssiggas aus den USA andrehen.

Doch noch ist Gas in Europa günstig und die staatlichen Abgaben, welche die Bürger darauf zu leisten haben, sind in vielen EU-Ländern eher niedrig. Eurostat hierzu:

„Im zweiten Halbjahr 2017 war der Anteil von Steuern und Abgaben am Gaspreis für Haushalte am höchsten in Dänemark (56% des Gaspreises für Haushalte) und den Niederlanden (51%). Der niedrigste Anteil wurde hingegen im Vereinigten Königreich (9%) und Luxemburg (10%) registriert. In Deutschland betrug der Anteil von Steuern und Abgaben am Gaspreis 26%.“

Auf EU-Ebene mussten die Energieversorger im Schnitt ein Drittel, 27%, der aus Gasrechnungen von Bürgern eingenommenen Beträge in Form von Steuern und Abgaben direkt an den Staat weiterreichen.

Einzelnachweise



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