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Montag, 13. August 2018

Renten -

Schweizer Verkehrsverbund SBB senkt Renten-Zuschuss auf 4730 Franken

Bild: pixabay.com | CC0 Creative Commons)
Auch in der Schweiz heißt es für einige Rentner: Gürtel enger schnallen. (
Auch in der Schweiz heißt es für einige Rentner: Gürtel enger schnallen. (

Beim Thema Renten in der Schweiz denken viele an paradiesische Zustände. Dies liegt an einem Dreisäulenmodell. Es reduziert die Altersvorsorge-Risiken für Angestellte deutlich mehr als beispielsweise im Nachbarland Deutschland. Säule eins der Rentenvorsorge ist in der Schweiz die obligatorische Renten-Pflichtversicherung. Säule 2 ist ebenfalls für Schweizer Angestellte Pflicht, nur mit einem Unterschied: Hier bezuschusst der Arbeitgeber 50% auf die vom Arbeitnehmer gesetzlich vorgeschriebenen Rentenvorsorge-Einzahlungen.

Wie groß die Unterschiede beim Thema Rente zwischen Deutschland und der Schweiz sind, zeigt auch die folgende Berechnung:

In Deutschland fließen beispielsweise selbst bei einem über dem Schnitt liegenden jährlichen Angestellten-Bruttoeinkommen von 110.000 Euro maximal rund 1100 Euro monatlich in die gesetzliche Altersvorsorge:

  • 50% davon bezahlt der Arbeitnehmer von seinem Bruttolohn.
  • 50% bezuschusst der Arbeitgeber on top im Rahmen der Lohnnebenkosten.

In Summe entspricht dies also in Deutschland faktisch einer jährlichen gesetzlich vorgeschriebenen Renteneinzahlung von 13.200 Euro brutto. Geht ein solcher Angestellter später beispielsweise in 20 Jahren in Rente, kann als grobe Faustformel gesagt werden:

Für die jährlich einbezahlten 13.200 Euro erhält dieser Angestellte später circa lediglich 30 bis 50 Euro garantiert als monatliche Rente ausbezahlt. Das ist nicht viel.

Obendrein muss er oder sie in einigen Jahren diese Rentenauszahlung dann zu 100% wieder versteuern.

Rente muss in Deutschland in einigen Jahren zu 100% versteuer werden

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Außerdem müssen diese Rentenauszahlungen mit möglichen Zusatzeinnahmen verrechnet werden. Also beispielsweise mit Mieteinnahmen oder einer möglichen späteren Witwerrente oder Witwenrente. Die Witwer- oder Witwenrente sinkt aber wiederum je mehr man selber hat.

Das aber selbst in der Schweiz nicht alles Gold ist, was glänzt, zeigt nun der größte Schweizer Verkehrsverbund SBB, also die „Schweizerische Bundesbahn“. Nachdem bereits bekannt geworden war, dass die Pensionskasse der SBB sanierungsbedürftig sei (O-Ton „Blick“) kündigte sie nun an: Man sehe sich gezwungen die Auszahlungen an die SBB-Renten zu senken, also den Umwandlungssatz zu kürzen. [1]

Renten in der Schweiz werden bei SBB gekürzt

Für Versicherte, welche im März 2019 das Pensionsalter von 65 Jahren erreichen, sinke der Satz von 5,18 auf 5,08%. Konkret bedeute dies, dass pro 100.000 in die SBB-Pensionskasse einbezahlte Franken nur noch eine Rente von jährlich 5080 Euro ausbezahlt wird.

Mit dieser Kürzung ist aber nicht Schluss. Vielmehr senkt die Schweizerische Bundesbahn die ausbezahlten Pensionen weiter:

  • Ab 1. Januar 2020 erhalten die SBB-Pensionäre für 100.000 einbezahlte Franken noch rund 4960 Franken Rentenzuschuss von ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Umgerechnet sind das 4.304 Euro jährlich (359 Euro monatlich).
  • Ab dem 1. Januar 2021 erhalten sie für 100.000 einbezahlte Franken sogar nur noch 4850 Franken. Umgerechnet sind das 4.209 Euro jährlich (351 Euro monatlich).
  • Und ab 2022 können sie nur noch mit jährlich 4730 Franken rechnen, umgerechnet 4.105 Euro jährlich (342 Euro monatlich). [1f]

Grund: Der SBB steht mit seiner Pensionskasse vor dem Problem, dass fast die Hälfte aller zur Versorgenden bei der SBB mittlerweile Rentner sind. Rund 54% der SBB-Mitarbeiter müssen für rund 46% Rentner aufkommen. Dieser Anteil könnte die nächsten Jahre weiter steigen. Daher heißt es aus dem Umfeld der SBB, man beobachte die Situation durchaus kritisch und nicht ohne Sorge. [1ff]

Erschwerend kommt bei der SBB hinzu, dass es zu niedrige Zinsen an den Kapitalmärkten gibt, weshalb man nicht ausschließen kann, dass die ausbezahlten SBB-Pensionen weiter sinken könnten.

Bestandsschutz

Bestandsschutz erhalten lediglich Mitarbeiter, die jetzt schon mindestens Ende 50 sind und ihren Geburtstag vor dem 31. Januar 1961 haben.

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In der SBB Pensionskasse sind 56.000 Schweizer versichert. Die Kasse verfügt über Rücklagen in Höhe von rund 18 Milliarden Franken. Mit diesem Betrag ist die SBB Pensionskasse eine der größten in dem Alpenland. 

Einzelnachweise

[1] Pensionäre müssen Gürtel enger schnallen. SBB-Pensionskasse senkt Renten, In: Blick vom 22. Mai 2018. Abgerufen am 3. Juni 2018. 

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Kommentare (1)


Peter Juni 3, 2018 um 12:53

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