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Montag, 24. Juni 2019

Steuern -

Bundesregierung greift Ehe an und will Ehegattensplitting beenden

Die viel gerühmten angeblichen Steuervorteile für Ehepartner sind in den meisten Fällen, gerade wenn es keine Kinder gibt, eher niedrig.
Bild: pixabay.com | CC0 Creative Commons
Die viel gerühmten angeblichen Steuervorteile für Ehepartner sind in den meisten Fällen, gerade wenn es keine Kinder gibt, eher niedrig.

Wer verheiratet in Deutschland genießt ein paar steuerliche Vorteile, auch später, wenn es um Rentenzahlungen geht. Doch nicht alles, sagt das von der SPD geführte Bundesfinanzministerium in Berlin, sei noch zeitgemäß. So zum Beispiel das Ehegattensplitting. Vor allem einige Politiker der LINKE, SPD und die GRÜNEN sind seit Jahren für ein Ende der Bevorzugung von Ehepartnern im Steuerrecht.

So heißt es nun von interessierter sozialdemokratischer Seite, wonach der „Wissenschaftliche Beirat“ des von der SPD geführten Finanzministeriums in Berlin sich für eine Abschaffung des Ehegatten-Splittings ausgesprochen habe.[1] Mal wieder möchte man sagen.

Der Beirat sei überzeugt, dass eine Neuordnung der Besteuerung von Ehepaaren unterm Strich dazu führen könne, dass die vertraglich aneinander gebundenen Paare wirtschaftlich besser dastünden, indem vor allem die Frauen mehr arbeiten würden, da der viel propagierte steuerliche kleine Vorteil dann wegfalle.

  • Derzeit sei es nämlich angeblich so, dass viele Frauen eine Teilzeitstelle bevorzugen würden, da sie so etwas mehr steuerliche Vorteile hätten, als bei einem Fulltimejob.
  • Beziehungsweise dürfte eben dieser Glaube im kollektiven Gedächtnis weit verbreitet sein.

Fakt ist, dass beim Ehegattensplitting die Gehälter von Mann und Frau zusammengeworfen werden, um dann einem gemeinsamen Steuersatz unterwerfen zu werden.

Steuervorteil durch Ehegattensplitting häufig sehr gering

Doch, so sind vor allem linke Kritiker überzeugt, führe dies dazu, dass Frauen eher weniger arbeiteten und Männer mehr. Bislang ist es nämlich so, dass der Steuervorteil dann umso größer ist, je größer der Einkommensunterschied zwischen den Ehepartnern ist.

  • Grund: Solche Einkommen werden summiert und dann mit dem gleichen Prozentsatz besteuert.

Die Debatte um Steuergerechtigkeit zwischen Singles, nicht verheirateten Paaren oder Ehepartnern ist ein alter Zopf, wobei es nach wie vor zahlreiche Anhänger des Ehegattensplitting gibt, obgleich das Thema finanziell so oder so keine dramatischen Auswirkungen für die Betroffenen hat.

Schon vor fünf Jahren, 2013, machte sich für die Beibehaltung des bisherigen Steuersystems des Ehegattensplittings beispielsweise Winand von Petersdorff-Campen, Redakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) stark:

„Sozialdemokraten, Grüne und ein paar so genannte Liberale argumentieren dagegen rhetorisch geschickt, die herrschende Politik wolle mit dem Splitting die sogenannte Hausfrauen-Ehe zementieren. Der Mann macht Karriere und Kohle, die Frau wartet zu Hause mit dem Abendbrot.

Das Ehegattensplitting ist demnach ein von Konservativen verfolgtes Programm zur Stützung des Patriachats. Die Entstehungsgeschichte erzählt etwas anderes. Die Hausfrauenehe war eindeutig nicht das politische Ziel. Die Gesetzgeber wollten den Leuten die Freiheit geben, sich ohne finanziellen Nachteil für die Ehe zu entscheiden.“[2]

Allerdings sagt steuerratschlag.eu: Man sollte so oder so den steuerlichen Vorteil durch eine Ehe nicht überschätzen.

  • Ein YouTuber mit dem Namen „Finanznerd“ rechnete in einem Beispiel eines verheirateten Ehepaares ohne Kinder, wo er circa 45.000 Euro brutto im Jahr verdient und sie circa 25.000 Euro aus:

Der steuerliche Vorteil durch Ehegattensplitting entspreche in diesem Einkommensbeispiel eines Ehepaares gerade einmal einem jährlichen Steuervorteil von lediglich rund 290 Euro. Monatlich wären dies also lediglich rund 24 Euro.

Dieser Typ auf „YouTube“, der sich „Finanznerd“ nennt, sagt ganz klar: Der Steuervorteil durch ein Ehegattensplitting sei geringer, als viele annähmen.

Dies sei, so der YouTube-„Finanznerd“, ein effektiver Steuervorteil zum Jahresnettoeinkommen der beiden von „gerade einmal“ 0,68%.[3]

Fazit

Unser Fazit: Man sollte das Ehegattensplitting nicht überschätzen, zumal ein möglicher Steuernachlass sowieso niemals Motivation für eine Heirat sein sollte, sondern ausschließlich die Liebe.

Zudem gilt, dass der Steuervorteil durch eine Hochzeit auch im Rahmen des Ehegattensplitting umso niedriger ist, je gleicher die Einkommen sind. Bei einem Gleichstand der Einkommen ist der Steuervorteil sogar null Euro, was auch der „Finanznerd“ auf YouTube so sieht.

Einzelnachweise

[1] Finanzministerium prüft Ende für Ehegatten-Splitting, In: Deutsche Wirtschaftsnachrichten vom 28.09.2018.

[2] Ja zu mehr Solidarität! Das alte Steuerrecht bestrafte die Ehe. Das Ehegatten-Splitting erleichtert Mitmenschlichkeit und fördert Solidarität in der Familie – nie war das so nötig wie heute. Von: Winand von Petersdorff-Campen, In Frankfurter Allgemeinen Zeitung [F.A.Z.] Online vom 26.01.2013. Abgerufen am 28.09.2018.

[3] Steuermythos entlarvt !? | Heiraten Steuern sparen | Ehegattensplitting Vorteile | Steuertipp 2018, In: YouTube von: FinanzNerd, auf: YouTube vom 10.01.2018. Abgerufen am 28.09.2018.



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