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Montag, 24. Juni 2019

Merkel: Akkus für Elektroautos in Deutschland produzieren

Nein, eine solche Gigafactory für Autoakkus entsteht nicht in Sachsen. Aber wohl etwas ähnliches. (Bild: Tesla)
Nein, eine solche Gigafactory für Autoakkus entsteht nicht in Sachsen. Aber wohl etwas ähnliches. (Bild: Tesla)

Deutschland hinkt im weltweiten Digitalgeschäft seit Jahren meilenweit hinter den USA her: Das E-Commerce wird von Amazon und Ebay dominiert.

Die Einnahmen des globalen Werbegeschäfts im Internet kassieren zu 70 Prozent Google und Facebook.

Auf 80 Prozent aller Computer laufen seit Jahrzehnten Betriebssysteme von Microsoft.

Und immerhin 15% aller weltweit verkauften Smartphones entfallen auf Apple. Das klingt nicht nach viel. Aber beim Blick auf den Umsatz und Gewinn ist Apple global im Smartphone-Bereich absoluter Marktführer. Über 250 Milliarden US-Dollar Cash hat Apple auf der hohen Kante.

Auch im Elektroauto-Bereich hinkte Deutschland jahrelang hinter US-Konkurrenz hinterher.

Während die Volkswagen AG noch Elektroautos mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern anbot, war Tesla schon mit 400 bis 500 Kilometer Reichweite am Start. Zudem sahen die Tesla-Elektroautos von Anfang an nicht wie kleine Behindertenfahrzeuge aus.

Die nächste Generation der Auto-Batterien will Tesla  mit bis zu 1000 Kilometer schaffen. Wenn das gelingt, wäre endlich das Totschlagargument, Elektroautos seien keine Reiseautos, sondern allenfalls als Zweitwagen für die Ehefrau zum Einkaufen geeignet (was schon heute Quatsch ist), vom Tisch.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will, dass Deutschland zumindest in der zweiten Generation der Autoakkus mit hohen Reichweiten als Entwickler dabei ist. Nicht mehr nur als Importeur aus Fernost, vor allem China.

So sagte sie in ihrem wöchentlichen Podcast:

„Wir müssen zurzeit die Zellen importieren. Aber für die weitere Entwicklung der Elektromobilität wäre es schon wünschenswert, bei den neuen Zelltypen dann auch dabei zu sein, wenn neue Entwicklungen da sind.“

Merkel spricht Autoakkus mit bis zu 1000 Kilometern Reichweite an.

Ob Deutschlands führender Autokonzern, die Daimler AG aus Stuttgart, wenigstens in diesem Bereich der Elektrotechnik dabei ist, wird sich zeigen.

Immerhin will der Konzern mit viel politischem Tamtam im sächsischen Provinzörtchen Kamenz in den Ausbau des Produktionsstandorts seiner Akku-Tochter Deutsche ACCUMOTIVE GmbH & Co. KG investieren.

Nach eigenen Angaben sollen dorthin in den nächsten Jahren mindestens 500 Millionen Euro fließen.

Damit will man angeblich eine der „größten und modernsten Batteriefabriken Europas“ hochziehen.

Allerdings sollte man sich nicht zu viel versprechen: Bislang arbeiten in Daimlers Akkufabrik in Sachsen gerade einmal 350 Mitarbeiter. Diese Anzahl soll in den nächsten Jahren möglicherweise auf rund 700 erhöht werden.

Immerhin gibt es einen zweiten Standort im schwäbischen Kirchheim u. Teck. Hier werden die Akkus entwickelt. Was bedeutet: Daimlers Gehirn bleibt im Haupt-Standort Schwaben. Nur die Produktion ist dann in Sachsen.

Ab 2018 sollen in Sachsen jedenfalls länger haltende Lithium-Ionen-Batterien für Elektrofahrzeuge von Mercedes-Benz und Smart produziert werden.

Nicht in Kalifornien also. Auch nicht in China. Dabei ist Sachsen für Unternehmen durchaus ein umstrittener Standort, da die Justiz berüchtigt ist.

Denn Sachsen ist für seine diversen rabiaten Razzien gegen Unternehmer bekannt. Auch dafür, dass hier von der Generalstaatsanwaltschaft Sachsen in Dresden, beziehungsweise der Integrierten Ermittlungseinheit Sachsen („INES“), selbst Unternehmer gerne in U-Haft genommen werden.

Deshalb sehen viele das große Eröffnungstamtam von Daimler in Kamenz entsprechend distanziert. Bundeskanzlerin Angela Merkel soll sich für Montag sogar angemeldet haben. Eine Grundsteinlegung bei Weltmarken wie Daimler will man sich nicht entgehen lassen.

Doch hatten sich bislang weder Merkel noch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) groß bei anderen Unternehmensgründungen in dem Freistaat gezeigt.

Immerhin ist Merkel promovierte Physikerin, was zur Elektrotechnik wie die Faust aufs Auge passt. Weniger bei  Tillich. Er ist nicht gerade für eine hohe industrielle Intellektualität bekannt.

Unternehmer bescheinigen Tillich zwar, man könne „mit dem netten durchaus sympathischen Mann“ mal gut ein Bierchen auf einem größeren Event trinken. Doch nicht viel mehr.

Tillich marschierte bislang selbst bei Unternehmen in Sachsen nicht groß auf, die aus eigener Kraft über 2000 Mitarbeiter aufgebaut hatten und nicht DSL, Amazon, Porsche oder Daimler hießen. Ein Grund könnte sein: Solche Unternehmens-Termine sind keine Selbstläufer in Medien.

Nach Angaben von Merkel fördert der Bund bislang die Entwicklung besserer Batterien mit lediglich 35 Millionen Euro jährlich. Sie erklärte in ihrem Podcast zudem, dass es „zeitweise sehr, sehr wenige Professuren für Elektrochemie“ in Deutschland gegeben habe.

Damit mag sie Recht haben. Wenn man bedenkt, dass beispielsweise AEROCELL-Batterien gefühlt selbst in kleinen Funkweckern mit integrierter Wetterstation alle zwei bis drei Monate ausgewechselt werden müssen, da diese Batterien dann schon schlapp machen, zeigt dies vor allem:

Es offenbart den mangelnden Willen der Industrie, bessere Batterien zu bauen. Man lebt halt gemütlich davon, dass die Bürger so oft wie möglich in die Läden rennen, um neue Batterien zu kaufen. Es ist aber nicht der einzige Bereich, in welchem Deutschlands Industrie mittlerweile mangelnder Innovationswillen vorgeworfen wird.

Eine Denke, die Deutschland schon in vielen anderen Industriezweigen das Genick gebrochen hat auf dem Weltmarkt.

Immerhin: Bis 2025 will Daimler in seiner Pkw-Sparte endlich mal wenigstens zehn reine Elektromodelle anbieten. Damit dieses zum Erfolg wird, erklärte Daimler-Vorstandsmitglied Thomas Weber, müssten eben „hocheffiziente Batterien“ her. Batterien wie sie die Arbeiter in Sachsen künftig liefern sollen.

Die bekannte Münchner Unternehmensberatung Roland Berger erklärte, dass man zwar mittelfristig von einem Preisverfall bei Lithium-Ionen-Zellen ausgehe. Doch nach wie vor seien diese mit das teuerste Bauteil in einem Elektroauto.

Kein Wunder: Kostet doch selbst in einem Staubsauger-Roboter von iRobot, wie dem iRobot Roomba 886, ein Ersatzakku immer noch leicht saftige 80 Euro. Ein Preis, für den man mittlerweile selbst Kleincomputer kaufen kann.

Der neue Accumotive-Produktionsstandort in Sachsen soll auf rund 80.000 Quadratmeter ausgebaut werden. Das entspreche einer Vervierfachung, klopft man sich bei Daimler stolz auf dei Brust.

Wie viel von den behaupteten Daimler-Investitionen in Sachsen in Höhe von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro durch Fördergelder Deutschlands, Sachsens oder der EU übernommen werden, ist noch nicht bekannt.

Die Deutsche ACCUMOTIVE GmbH & Co. KG schreibt über seine Autoakkus, die sie selbst als „Energiebatterien“ skizziert, das folgende:

„Unsere Energiebatterien werden als Energiespeicher für Elektrofahrzeuge genutzt. Deshalb steht die Maximierung der Energiedichte der verbauten Zellen im Mittelpunkt unserer Entwicklungsarbeit. Zu den speziellen Anforderungen, die an unsere Energiebatterien gestellt werden, gehören neben einem marktgerechten Preis eine lange Lebensdauer und ein maximales Maß an Sicherheit, das unter allen Bedingungen gewährleistet sein muss.“

Na, wir sind gespannt.

Daimler-Konkurrenz Tesla entwickelte schon vor Jahren extra eine sogenannte „Gigafabrik“, eine „Gigafactory“, um hier bessere Autoakkus zu bauen als Bislang.

Wir erlauben uns umfangreicher das Unternehmen zu zitieren:

„Tesla steht für eine Mission: Die Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energiegewinnung Zur Verwirklichung dieses Ziels müssen wir Elektrofahrzeuge in ausreichenden Stückzahlen herstellen, um ein Umdenken in der Automobilindustrie anzustoßen. Mit der für die zweite Hälfte dieser Dekade geplanten jährlichen Stückzahl von 500.000 Fahrzeugen würde Tesla jedoch den heutigen weltweiten Jahresausstoß an Lithium-Ionen-Batterien benötigen. Als Konsequenz nahm Tesla das Projekt Gigafactory in Angriff, um stets über ausreichend Batterien zur Bestückung der voraussichtlichen Fahrzeugflotte zu verfügen und einen Engpass zu vermeiden.

Der Grundstein für die Tesla Gigafactory wurde im Juni 2014 außerhalb von Sparks, Nevada gelegt. Verläuft alles nach Plan, läuft hier Ende dieses Jahres die Produktion von Akkuzellen an. Im Jahr 2018 soll die Gigafactory seine volle Kapazität erreichen und jährlich mehr Lithium-Ionen-Batterien produzieren als 2013 weltweit hergestellt wurden.

Die Gigafactory – ein Jointventure mit Panasonic und anderen strategischen Partnern – wird Batterien wesentlich günstiger als heutzutage herzustellen. Skalierungseffekte durch hohe Stückzahlen, innovative Herstellungsverfahren, konsequente Abfall- und Ausschussvermeidung sowie durchrationalisierte Produktionsprozesse unter einem Dach sind hier der Schlüssel zum Erfolg. Nach unseren Berechnungen können wir damit die Kosten pro kWh unserer Batterieaggregate um mehr als 30% reduzieren. Die Gigafactory wird übrigens mit erneuerbaren Energien betrieben werden, womit wir eine Energiebilanz von Null zu realisieren hoffen.

Der Name „Gigafactory“ leitet sich aus der geplanten jährlich hergestellten Batteriekapazität von 35 Gigawattstunden (GWh) ab. „Giga“ steht für eine Maßeinheit, die „Milliarde“ repräsentiert. Eine GWh entspricht folglich der Erzeugung oder des Verbrauchs von einer Milliarde Watt für eine Stunde (Wh) – also 1.000.000 x 1 kWh.“



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