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Dienstag, 28. Juli 2020

Südkoreaner schieben Regierung Schuld am Bitcoin-Absturz von bis zu 30 Prozent zu

Auch wenn in einigen westlichen Blogs und Medien spekuliert wird, Südkorea wolle angeblich nun doch nicht virtuelle Währungen und Börsen im Land verbieten, so sind derartige Berichte falsch. Nach wie vor gibt es starke Strömungen in Südkorea und China, virtuelle Währungen und deren Handelsplätze in der bisherigen Form oder ganz zu verbieten.

Grund: Die Regierungen in Südkorea und China werfen Bitcoin & Co vor, keine Währungen zu sein, sondern letztlich nicht viel mehr als Glücksspiel.

Dass ausgerechnet im chinesischen Bundesland Hongkong mit Bitfinex eine der größten Kryptobörsen der Welt steht, scheint nicht hinderlich zu sein, auf dem sonstigen chinesischen Festland eine andere Politik zu betreiben.

Hinzu kommt: In China stehen, da Strom günstig ist, mit die größten Farmen zum Schürfen (mining) von Bitcoins und anderen Kryptowährungen. Dabei gibt es unterschiedliche Schürf-Maschinen, führt news.bitcoin.com aus:

„Im Rechenzentrum sahen wir zwei Arten von Bergleuten (Red. Anmerkung: „miners“): Antminer für Bitcoin und GPU-miners  für ETH und Zcash. Chuan glaubt, dass Antminer der Beste unter Avalon und Ebit ist. Sie sind ‚wartungsarm und energiesparend‘, sagt Chuan. Die durchschnittliche Haltbarkeit eines Bergmanns würde zwei Jahre betragen. Wenn etwas schief gehe mit Maschinen, was Arbeiter nicht reparieren könnten, gäben sie die Maschinen einfach an den Kundendienst zurück. Er fügte hinzu, dass er Ebit als den direkten Konkurrenten zu Antminer sieht.“ [1]

Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Kilowattstunde Strom fast 30 Cent kostet, fallen in China gerade einmal 0,3 bis 0,4 Cent je Stunde an. [1f]

Videoverweis: „We looked inside a secret Chinese bitcoin mine“, von Chandler Guo, auf: YouTube vom 2. Februar 2017.

Den Vorwurf der Regierung von Südkorea, Bitcoin & Co seien nichts anderes als ein großes Glücksspiel, weisen Anhänger der Kryptowährungen zurück. Sie werfen Südkoreas Regierung vor, sie habe mutwillige mit ihren Verbotsplänen zehntausenden Menschen alleine in Südkorea die Lebensgrundlage genommen.

Regierung verkenne den Wert von Coins

Weiter argumentieren die Kryptofans: Die Regierung verkenne, dass Bitcoins, Ethereum & Co eben doch eine Art virtuelles Zahlungsmittel seien und damit werthaltig. Die Werthaltigkeit erkenne man daran, dass es möglich sei, mit den über 1400 unterschiedlichsten Coins untereinander zu bezahlen. Auch manche Dienstleistungen akzeptierten bereits eine Bezahlung wenigstens mit Bitcoins.

Außerdem, argumentiert Südkoreas Kryptoszene, sähen viele Anleger Kryptowährungen als eine wertvolle Anlageform. Hier könnte man wenigstens, im Gegensatz zu vielen anderen Wertpapieren, mit Zinszahlungen rechnen.

„Der Zusammenbruch der virtuellen Währung ist der Regierung geschuldet“ zitiert das südkoreanische Portal news.donga.com einen aufgebrachten Südkoreaner. [2]

Nach Angaben von www.bithumb.com, dem größten virtuellen Devisenmarkt in Korea, sei die wichtigste dort gelistete Kryptowährung, der Bitcoin, alleine am schwarzen Dienstag, dem 16. Januar 2018, um 22,12% eingebrochen.

Bithumb.com wichtigste Kryptobörse Südkoreas

Auf bithumb.com, was auf koreanisch 빗썸에 heißt, können allerdings nur begrenzt Coins, also unterschiedlichste virtuelle Währungen gekauft werden. Es sind dies: Bitcoin, Ripple, Ethereum, Bitcoin Cash, Litecoin, Dash, Monero, EOS, Qtum, Bitcoin Gold, Ethereum Classic sowie Zcash. Mit dieser eingeschränkten Coin-Wahl steht Bithumb aber nicht alleine dar. Vielmehr ist das auf ähnlichen Kryptobörsen weltweit nicht viel anders. Dies macht den Kauf und Verkauf von Coins nicht immer ganz einfach.

Bithumb wird auch von Arabern, Chinesen, Indern, Japanern, Russen oder Spaniern genutzt. Zumindest bietet die Plattform in diesen Sprachen ihre Dienste an.

Wie in Europa, stürzte neben dem Bitcoin in Asien der Etherium ab. Er verlor am Dienstag alleine an der wichtigsten südkoreanischen Börse Bithumb 25,53% und pendelte sich bei 1.276.500 Won ein.

Auch der Coin Quantum sank um 32,93% auf 40.530 Won. Ähnlich sieht es mit zahlreichen weiteren virtuellen Währungen aus.

International brach der Bitcoin am Dienstag im Schnitt um 28% ein und lag im Schnitt bei um die 9.500 Euro, also in etwa 10.000 bis 11.000 Dollar.

Der Kryptocrash

Immerhin war in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch eine gewisse Stabilisierung der Kryptowährungen zu verzeichnen. Dennoch ist es der schlimmste Kryptocrash seit Wochen gewesen.

Ob das aktuelle Niveau gehalten werden kann, ist nich klar. Vielmehr zittern nach wie vor Anleger weltweit, ob die Grenze von unter 9000 Euro wieder unterschritten wird. Zeitweise rutschte nämlich der Bitcoin in Europa am Dienstag auf bis zu 8500 Euro ab.

Auch wenn Gerüchte die Runde machen, Südkorea werde seinen Plan, Kryptowährungen und möglicherweise Kryptobörsen in ihrer bisherigen Form im Land zu verbieten, doch zurücknehmen, so zeigt sich: Diese Aussagen haben bislang wenig Substanz. Dies habe der stellvertretender Ministerpräsident, der zudem Minister für Strategie und Finanzen ist, erklärt.

Das schreibt zumindest das asiatische Portal news.donga.com, das Onlineportal der führenden südkoreanischen Tageszeitung Dong-A Ilbo. Das Blatt bringt es immerhin auf eine tägliche Auflage von rund einer Millionen Exemplare. [2f]  [3]

Gleichzeitig zitiert news.donga.com einen kritischen Nutzer, welcher der Regierung für seine Pläne Verständnis entgegenbringt:

„Der virtuelle Währungseinbruch ist eine Voraussicht. Tadeln Sie die Regierung nicht. Es ist wegen dir, der Geld leicht gemacht hat. Ist es ein geldgieriges Spiel? Ich bin gerade aus dem Spiel ausgestiegen. Welche Währung? Ich versuche, leicht Geld vom Sitzplatz zu verdienen, aber ich glaube nicht, dass die virtuelle Währung wegen MoonJin zusammenbricht. (Vnfm ****) „.

Ein anderer sagt:

„Ich habe dich gewarnt, als du mich gewarnt hast, dass es der Fluss der Welt ist, und ich dachte, dass es unzerstörbar wäre, dass ich niemals fallen würde. Es ist nicht überraschend, dass es kollabieren könnte, wenn virtuelles Geld steigen könnte (sip9 ****).“

China fährt seit Dezember 2017 einen härteren Kurs

Bereits seit Dezember 2017 ist auf dem chinesischen Festland – mit Ausnahme von Hongkong – der Betrieb von Kryptobörsen verboten. Dass dennoch auf dem chinesischen Festland kräftig Coins produziert werden, haben wir bereits eingangs geschildert und stellt natürlich einen gewissen Widerspruch dar. [1f]

  • Einige sehen aber im Kurssturz vom Dienstag auch umfangreiche Verkäufe, also kryptographische Transaktionen, durch die Regierungen von China und Südkorea selber. Dies führt wiederum die südkoreanische Internet-Zeitung news.joins.com aus, die in ihrem Impressum, wie in Südkorea üblich, sogar eine offizielle Medien-Registrierungsnummer angibt. [4]
  • Ein weiteres Gerücht in der Szene lautet: China werde das Chiffrierungsgeld noch strenger als bislang blockieren. Dazu gehöre, dass Zugänge zu nationalen und internationalen Plattformen, kryptografische Handelsdienste, blockiert würden. [4f]

Spuren im Schürfen von Coins

Diese möglichen weiteren Regierungspläne gegen Kryptowährungen haben Spuren im Schöpfen neuer Coins hinterlassen. So hätten deshalb diverse chinesische Unternehmen ihre Pläne fallen lassen, neues virtuelles Geld (ICO) auf der Basis von Blockchain-Technologie herauszugeben. Laut dem südkoreanischen Portal ankookilbo.com sei entsprechend nicht damit zu rechnen, dass die Regierung von Südkorea ihre härtere Gangart gegen Kryptowährungen einstellen werde. [5]

Bereits zur Neujahrs-Pressekonferenz im November 2017 hätte Südkoreas Generalstaatsanwalt Park Sang-ki gesagt, er störe sich generell am Bergriff der angeblichen Kryptowährungen:

„Virtuelle Währung ist ein ungenauer Ausdruck“, habe er kritisiert, wird kolportiert. [5f]

So würde, soll Park Sang-ki erklärt haben, der Begriff virtuelle Währung nur deshalb verwendet, um Spekulation und Glücksspiel zu überdecken.

Fazit: Ob das Blaue Haus, die Regierungszentrale von Südkorea, nun aber tatsächlich Kryptowährungen verbietet oder nicht, das scheint immer noch nicht auf Basis eines finalen Regierungsbeschlusses festzustehen. Doch vieles deutet darauf hin.

EZB akzeptiert Kryptowährungen seit 2012

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte bereits in ihrem Bericht 2012 erklärt, dass virtuelle Währungen „eine elektronische Währung“ darstellten und dass man sie als „virtuelle Gemeinschaft ohne zentrale Regierungskontrolle akzeptiert“ werde.

Ein Jahr später erklärte die Financial Crimes Division des US-Finanzministeriums (FinCEN): Virtuelle Währungen seien „das Gegenteil von echtem Geld„. Deshalb stellten sie „keine Werte als legale Währungen“ dar.

Aber all diese Stellungnahmen sind mittlerweile schon wieder gut fünf bis sechs Jahre her. Eine kleine Ewigkeit in der digitalen Welt.

Einzelnachweise

(1) A Visit to a Bitcoin Mining Farm in Sichuan, China Reveals Troubles Beyond Regulation. Übersetzt: Ein Besuch auf einer Bitcoin Mining Farm in Sichuan, China, offenbart Probleme, die über die Regulierung hinausgehen, von Cindy Wang, auf: news.bitcoin.com vom 19. November 2017. Abgerufen am 18. Januar 2017.

(2) “가상화폐 폭락은 정부 탓” vs “이미 예견된 일, 왜 안 털었나?” 원문보기, übersetzt Der Zusammenbruch der virtuellen Währung ist der Regierung geschuldet“ vs „Was wurde bereits erwartet, warum nicht?“, In:news.donga.com vom 17. Januar 2018. Abgerufen am 18. Januar 2018.

(3) The Dong-A Ilbo is a leading newspaper in Seoul, South Korea, founded and published in 1920, übersetzt: „Dong-a Ilbo“ ist eine führende Zeitung in Seoul, Südkorea, gegründet und veröffentlicht im Jahr 1920, auf: http://english.donga.com/Docs.

(4) 한·중 정부 규제책에 글로벌 암호화폐 시세 폭락, übersetzt: Globale kryptographische Nachfrage durch koreanische Regulierungsmaßnahmen geschockt, in: news.joins.com vom 17. Janaur 2018. Abgerufen am 18. Januar 2018.

(5) 정부는 ‚가상증표‘, 청와대는 ‚암호화폐’… 이유는?, übersetzt: Die Regierung hat eine „virtuelle Rechnung“, und das Blaue Haus ist „kryptisches Geld“ … warum?, in: Korea Times Zeitung vom 17. Januar 2018. Abgerufen am 18. Januar 2018.



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