Indonesien nimmt im Verhältnis zu seiner Wirtschaftsleistung weniger Steuern ein als fast jeder andere große Staat Asiens – und der Abstand zum eigenen Ziel wächst: 2025 sank die Steuerquote auf 9,31 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Präsident Prabowo Subianto (Gerindra) hatte im Wahlkampf 16 Prozent angekündigt. Stand: 22. Oktober 2026.

Als STEUERRATSCHLAG.eu im Februar 2019 über den indonesischen Wahlkampf berichtete, stand das Versprechen schon im Raum: Die Steuern im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung sollten auf 16 Prozent steigen (unser Bericht von damals). Siebeneinhalb Jahre später ist Prabowo Subianto Präsident – und die Quote ist nicht gestiegen, sondern gefallen.

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Was die Steuerquote misst

Die Steuerquote (indonesisch „rasio pajak“, englisch „tax ratio“) setzt die Steuereinnahmen eines Staates ins Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt, also dem Wert aller in einem Jahr erwirtschafteten Waren und Dienstleistungen. Indonesien veröffentlicht zwei Varianten: Die weite Abgrenzung umfasst Steuern sowie Zölle und Verbrauchsteuern (etwa auf Tabak), die enge Abgrenzung nur die Steuern im engeren Sinn.

Für 2025 nannte Finanzminister Purbaya Yudhi Sadewa (parteilos) am 6. Februar 2026 eine Quote von 9,31 Prozent in der weiten Abgrenzung; in der engen Abgrenzung waren es 8,05 Prozent, wie die Wirtschaftszeitung Bisnis.com aus den Angaben des Ministers und des Statistikamts BPS zusammenstellte. Grundlage: Einnahmen von 2.217,9 Billionen Rupiah (davon 1.917,6 Billionen Steuern und 300,3 Billionen Zölle und Verbrauchsteuern) bei einem nominalen BIP von 23.821,1 Billionen Rupiah. Das Ziel für 2025 hatte bei 10,02 Prozent gelegen.

Die Entwicklung seit 2022

Jahr Steuerquote (weite Abgrenzung) Art des Werts
2022 10,39 % Ist
2023 10,31 % Ist
2024 10,08 % Ist
2025 9,31 % Ist (Februar 2026 gemeldet)
2026 10,47 % Ziel im Haushaltsentwurf (August 2025)
2026 11 bis 12 % Zielmarke des damaligen Ministers (Februar 2026)

Quellen: Werte 2022 bis 2024 und Haushaltsziel 2026 laut Bisnis.com vom 15. August 2025 (Pressekonferenz der damaligen Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati, parteilos); Wert 2025 laut Bisnis.com vom 6. Februar 2026; Zielmarke 11 bis 12 Prozent laut DDTCNews vom 8. Februar 2026. Hinweis: Für 2023 nennt das Wirtschaftsportal Katadata 10,21 Prozent; die Werte weichen je nach Datenstand ab.

Das 16-Prozent-Versprechen: dreimal im Wahlkampf

Die Zahl 16 zieht sich durch Prabowos politische Laufbahn. Schon 2014 versprachen nach einem Kommentar der Jakarta Post beide Präsidentschaftsteams – Prabowo Subianto mit Hatta Rajasa (PAN) und der spätere Präsident Joko Widodo (PDI-P) mit Jusuf Kalla (Golkar) – eine Quote von 16 Prozent, ausgehend von damals rund 12 Prozent. Im Wahlkampf 2019 erklärte Prabowos Team laut Tempo.co, die Quote solle von 11 auf 16 Prozent steigen – ausgerechnet über niedrigere Steuersätze, die mehr Menschen zum Zahlen bewegen sollten.

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Am 5. März 2024, wenige Wochen nach seinem Wahlsieg, wiederholte Prabowo das Ziel auf dem Mandiri Investment Forum in Jakarta: Man könne „von 10 auf 16 Prozent“ kommen, „wie Thailand“, berichtete Katadata. Der Ökonom Nailul Huda vom Forschungsinstitut CELIOS nannte das damals „sehr unrealistisch“; schon 12 bis 13 Prozent wären aus seiner Sicht ein gutes Ergebnis. Im mittelfristigen Entwicklungsplan 2025 bis 2029 (Präsidialverordnung Nr. 12/2025) steht laut einer Übersicht der Steuerberatung MUC Consulting eine Spanne von 11,52 bis 15 Prozent.

Stand 2026: Einnahmen steigen, Ministerwechsel im September

Purbaya Yudhi Sadewa hatte im Februar 2026 eine Quote von 11 bis 12 Prozent für das laufende Jahr angepeilt. Am 14. September 2026 vereidigte Präsident Prabowo Subianto laut Kabinettssekretariat den bisherigen Vizeminister Suahasil Nazara (parteilos) als neuen Finanzminister. Nach Angaben aus der Pressekonferenz zum Haushaltsbericht vom September hatte Indonesien bis Ende August 2026 Steuern von 1.409 Billionen Rupiah eingenommen, berichtet TrenAsia – 59,8 Prozent des Jahresziels von 2.357,7 Billionen Rupiah. Das Wachstum gegenüber dem Vorjahr wird in dem Bericht einmal mit 24,1 und einmal mit 25,4 Prozent angegeben; eine Steuerquote für 2026 lässt sich daraus noch nicht ableiten.

Einordnung: Warum der Vergleich mit Deutschland hinkt

Die Industriestaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) kamen 2024 im Durchschnitt auf eine Abgabenquote von 34,1 Prozent – ein Rekordwert laut OECD-Bericht „Revenue Statistics 2025“. Diese Zahl ist mit der indonesischen Quote aber nicht direkt vergleichbar: Die OECD rechnet Sozialversicherungsbeiträge und Steuern aller staatlichen Ebenen ein, während sich die indonesische Kennzahl auf die Einnahmen des Zentralstaats bezieht. Aussagekräftig ist vor allem der Trend im eigenen Land – und der zeigt seit 2022 nach unten.

Unser Fazit

Das 16-Prozent-Ziel ist ein politisches Versprechen, kein beschlossener Plan mit Datum. Belegt ist der Ist-Wert: 9,31 Prozent im Jahr 2025, der niedrigste Wert der hier dargestellten Reihe. Ob 2026 die Wende gelingt, zeigt sich erst mit den Jahreszahlen Anfang 2027.

Wo finde ich was?

Indonesien: Finanzministerium (Kementerian Keuangan), Steuerbehörde DJP, Statistikamt BPS. International: OECD Revenue Statistics.

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Häufige Fragen

Heißt eine höhere Steuerquote automatisch höhere Steuersätze?
Nein. Die Quote kann auch steigen, wenn mehr Menschen und Firmen ihre Steuern tatsächlich zahlen. Prabowos Team setzte 2019 ausdrücklich auf niedrigere Sätze und mehr Steuerehrlichkeit.

Ist die Steuerquote dasselbe wie die Abgabenquote in Deutschland?
Nein. Die deutsche Abgabenquote in OECD-Abgrenzung enthält auch Sozialversicherungsbeiträge; die indonesische Kennzahl nicht. Werte unterschiedlicher Abgrenzung sollten nicht direkt verglichen werden.

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