Warum STEUERRATSCHLAG.eu berichtet
Corporate Governance zeigt sich nicht nur in Handelsregistereinträgen und Bilanzen. Sie zeigt sich auch darin, wie ein Unternehmen mit seinen Mitarbeitenden umgeht – und ob die Führung bereit ist, dafür Verantwortung zu übernehmen. Die öffentlich zugänglichen Bewertungen auf kununu zur Leipziger Agenturgruppe IMMOCOM (W&R Media KG / IMMOCOM GmbH) zeichnen seit Jahren ein konsistentes Bild, das für Geschäftspartner und potenzielle Mitarbeitende relevant ist. Das Fachmagazin Netz-trends.de hat dieses Bild im März 2026 in einer ausführlichen Recherche dokumentiert. Wir ordnen die öffentlich verfügbaren Fakten ein.
Die Zahlen: Weit unter dem Branchendurchschnitt
Auf kununu wird IMMOCOM unter dem Profil „w&r immocom“ seit 2018 mit durchschnittlich 2,2 von 5 Punkten bewertet – bei 17 Bewertungen über mehr als fünf Jahre. Der Branchenvergleich ist dabei besonders aussagekräftig: Kununu selbst weist auf dem Profil des Unternehmens aus, dass der Branchendurchschnitt im Sektor Immobilien bei 3,6 Punkten liegt. IMMOCOM erreicht damit knapp 61 Prozent dieses Wertes.
Zum Vergleich: Das Top-Company-Siegel, das kununu jährlich an die besten fünf Prozent der Arbeitgeber vergibt, setzt einen Mindestscore von 3,8 Punkten voraus. IMMOCOM liegt mit 2,2 Punkten weit darunter.
Der am schlechtesten bewertete Einzelfaktor ist Karriere/Weiterbildung mit 1,6 Punkten. Selbst der am besten bewertete Faktor – interessante Aufgaben – kommt auf lediglich 2,7 Punkte. Auf der Plattform Indeed soll laut der Recherche von Netz-trends.de zudem ein Eintrag mit 1,0 von 5 Sternen existieren – diese Angabe haben wir nicht selbst geprüft und geben sie entsprechend nur als Quellenhinweis wieder.
Bemerkenswert ist dabei nicht nur die Höhe des Scores – sondern seine Konstanz. Die kritischen Bewertungen ziehen sich ohne Unterbrechung von 2020 bis Juni 2025. Das Unternehmen hat weder ein Logo auf seinem kununu-Profil hinterlegt noch auf eine einzige der 17 Bewertungen reagiert.
Was Mitarbeitende beschreiben: Jahre, ein Muster
Die Bewertungen auf kununu sind öffentlich einsehbar unter www.kununu.com/de/wr-immocom. Was sie inhaltlich verbindet, ist bemerkenswert: Über einen Zeitraum von 2020 bis Juni 2025 kehren dieselben Themen immer wieder zurück.
Führung und Atmosphäre
Ein ehemaliger Mitarbeitender schreibt im Mai 2025:
„Wer hier motiviert anfängt, merkt schnell: Engagement ist keine Karriereleiter, sondern eine Rutschbahn ins Aufgabenchaos.“
Und weiter zur Kommunikation in derselben Bewertung:
„Statt Dialog gibt es Druck – von oben nach unten. Kommunikation ist meist impulsiv, launisch und entwertend. Kritik wird nicht gehört, sondern als Illoyalität gewertet.“
Im Juni 2025 schreibt ein weiterer ehemaliger Mitarbeitender – ausdrücklich als persönliche Erfahrung und subjektive Einschätzung:
„Ich habe in meinem Berufsleben vieles erlebt – aber ein Arbeitsumfeld, das derart von internen Grabenkämpfen auf höchster Ebene geprägt ist, war neu.“
Und zur Frage der Prioritäten im selben Beitrag:
„Kundeninteressen? Nachrangig. Entscheidend ist, wer gerade oben steht – und wen man dort besser nicht verärgert.“
Diese Aussage ist die subjektive Einschätzung eines einzelnen ehemaligen Mitarbeitenden und wird hier ausdrücklich als solche wiedergegeben.
Im März 2023 schreibt ein ehemaliger Mitarbeitender:
„Persönliche Befindlichkeiten werden von der Geschäftsführung in den Vordergrund gestellt und ausgetragen. Leider absolut unprofessionell. Man merkt dass Führungskompetenzen nicht im AppStore gekauft werden konnten.“
Kununu selbst fasst die Wahrnehmung der Mitarbeitenden in seiner Kulturauswertung in zwei dominanten Faktoren zusammen: Mitarbeiter eng kontrollieren und intransparent sein.
Karriere und Weiterbildung
Im Juni 2025 schreibt ein ehemaliger Mitarbeitender:
„Karriere ist hier kein Weg, sondern eine Sackgasse mit hübscher Beschilderung. Wer ambitioniert startet, landet schnell im Kreisverkehr zwischen Mikromanagement und Burnout.“
Und in derselben Bewertung:
„Wer auf strukturierte Entwicklung, Förderung oder gar Weiterbildung hofft, sollte lieber auf eigene Kosten ein Fernstudium starten.“
Fluktuation
Im März 2023 schreibt ein ehemaliger Mitarbeitender:
„Wenn in meinem Unternehmen in 3 Jahren 40 Mitarbeiter kommen und gehen würden, sollte man sich vielleicht auch einmal an seine eigene Nase fassen.“
Und in derselben Bewertung:
„Meine Teamleitung brüstete sich mit einer Strichliste wie viele Leute in ihrer Zeit kamen und gingen. Das ist nicht cool sondern nur peinlich und traurig.“

Kommunikation
Im Januar 2023 schreibt ein ehemaliger Mitarbeitender:
„Wer aus Sicht der Geschäftsführung außerdem in Ungnade fällt, kann sich darauf einstellen, dass die persönliche Kommunikation zu einem abgeschnitten wird. Dieses Verhalten habe ich persönlich als extrem unprofessionell wahrgenommen!“
Die Governance-Frage: Wer trägt Verantwortung?
Die Bewertungen beschreiben kein Einzelereignis. Sie beschreiben ein Muster über Jahre – in einem Unternehmen, das nach außen Kommunikationskompetenz und Branchenprofessionalität verkauft.
Besonders aufschlussreich ist dabei ein Dokument, das IMMOCOM selbst veröffentlicht hat. Im Impressum des unternehmenseigenen Magazins immobilien-aktuell-magazin.de steht wörtlich:
„Geschäftsführung: Michael Rücker und Ivette Wagner“
Auch auf der Kongressseite real-estate-mitteldeutschland.de ist Ivette Wagner namentlich als Ansprechpartnerin gelistet – mit direkter Telefonnummer und E-Mail-Adresse.
Laut der Recherche von Netz-trends.de hatte Ivette Wagner auf eine Presseanfrage schriftlich erklärt, sie gehöre der Geschäftsführung der IMMOCOM GmbH nicht an – und verwies auf das Handelsregister. Das unternehmenseigene Impressum von immobilien-aktuell-magazin.de führt jedoch wörtlich auf: „Geschäftsführung: Michael Rücker und Ivette Wagner“. Dieser Widerspruch zwischen der eigenen Stellungnahme gegenüber Netz-trends.de und dem vom Unternehmen selbst veröffentlichten Impressum bleibt bislang ungeklärt.
Laut Netz-trends.de antwortete Wagner auf die inhaltlichen Vorwürfe zur Führungskultur nicht. Rücker antwortete laut derselben Recherche bis Redaktionsschluss gar nicht.
Für STEUERRATSCHLAG.eu ist das der eigentliche Governance-Befund: Nicht die Bewertungen allein sind das Problem. Es ist das anhaltende Schweigen darauf – und die ungeklärten Widersprüche in der eigenen Außendarstellung.
Einordnung und Hinweise zur Quellenlage
Alle zitierten Bewertungen stammen direkt von der Plattform kununu (www.kununu.com/de/wr-immocom) und sind dort öffentlich einsehbar. Sie sind subjektive Erfahrungsberichte einzelner ehemaliger Mitarbeitender und werden ausdrücklich als solche eingeordnet. Sie wurden von IMMOCOM bislang weder bestritten noch kommentiert. Der Branchendurchschnitt von 3,6 Punkten für den Immobiliensektor entstammt der kununu-eigenen Darstellung auf dem Unternehmensprofil. Die Mindestanforderung von 3,8 Punkten für das kununu-Top-Company-Siegel ist öffentlich dokumentiert. Der Impressumsauszug von immobilien-aktuell-magazin.de ist ein öffentlich zugängliches Dokument und lag der Redaktion zum Zeitpunkt der Berichterstattung vor. Angaben zur Plattform Indeed sowie alle weiteren Aussagen zur Stellungnahme der Unternehmensführung stützen sich auf die Recherche von Netz-trends.de (Petra Tang, 06.03.2026), die ihrerseits einen detaillierten Transparenzhinweis mit vollständiger Quellenangabe enthält.
Den vollständigen Originalartikel von Netz-trends.de empfehlen wir zur vertieften Lektüre: [Link einfügen]
KOMMENTAR: Glanzvolle Fassade – ungeklärte Fragen dahinter
IMMOCOM aus Leipzig inszeniert sich als zentraler Taktgeber der Immobilienbranche. Das Leistungsportfolio für 2025 ist eindrucksvoll aufgebaut: 18 Veranstaltungen an Standorten von Hamburg bis München, Sponsoringpakete für bis zu 5.000 Euro, ein wöchentlicher Podcast mit nach eigenen Angaben „etwa 2.000 bis 5.000 Hörer pro Folge“, ein Newsletter mit nach eigenen Angaben „10.000 Empfänger“ und eine Website mit nach eigenen Angaben „über 50.000 Visits pro Monat“. Als Premium-Partner der Real Estate Mitteldeutschland 2026 werden die Sparkasse Leipzig, die Stadtwerke Leipzig und Schindler Deutschland gelistet.
Das ist das Bild, das IMMOCOM verkauft. Es ist professionell aufgebaut. Und es wirkt.
Doch genau hier beginnt die eigentliche Frage: Wer baut dieses Bild auf – und unter welchen internen Bedingungen?
Denn während das Unternehmen seinen Kunden laut eigenem Mediadaten-Dokument „professionelles Einladungsmanagement“, „umfassende Programmplanung“ und „gezielte Ansprache Ihrer Zielgruppe“ verspricht, zeichnen öffentlich einsehbare Bewertungen auf kununu seit 2018 das Bild eines Arbeitgebers, der diese Versprechen intern offenbar nicht einlöst. 2,2 von 5 Punkten bei 17 Bewertungen – bei einem Branchendurchschnitt von 3,6 Punkten, den kununu selbst auf dem Unternehmensprofil ausweist. Das Top-Company-Siegel, das die Plattform ab 3,8 Punkten vergibt, ist für IMMOCOM in weiter Ferne.
Hinzu kommt ein Widerspruch, den das Unternehmen bis heute nicht aufgelöst hat. Das unternehmenseigene Impressum von immobilien-aktuell-magazin.de führt wörtlich auf:
„Geschäftsführung: Michael Rücker und Ivette Wagner“
Gegenüber Netz-trends.de erklärte Ivette Wagner jedoch schriftlich, sie gehöre der Geschäftsführung nicht an. Welche Aussage gilt – die eigene Stellungnahme gegenüber einer Redaktion oder das eigene öffentliche Impressum? Eine Antwort blieb das Unternehmen schuldig.
Das ist kein Randdetail. Ein Unternehmen, das seinen Kunden politische Kommunikation, Imageberatung und professionelle Pressearbeit verkauft, sollte in der Lage sein, auf eine einfache Presseanfrage zu antworten. Geschäftsführer Michael Rücker hat das bis Redaktionsschluss von Netz-trends.de nicht getan.
Für Sponsoren oder ehemalige wie die Sparkasse Leipzig und die Stadtwerke Leipzig sind das keine abstrakten Fragen. Wer Sponsoringgelder investiert, trägt gegenüber seinen eigenen Stakeholdern eine Sorgfaltspflicht. Die hier dokumentierten Informationen – kununu-Score 2,2, Fluktuationsberichte, ungeklärte Widersprüche in der Führungsdarstellung – sind sämtlich öffentlich zugänglich. Sie sind Teil einer seriösen Partnerprüfung.
Ein Unternehmen, das Kommunikation als Kerngeschäft betreibt, schweigt seit Jahren auf öffentliche Kritik. Das ist keine Strategie. Das ist ein Befund.

